Landwirtschaftliche Betriebe sind meist über Generationen bestehende Familienbetriebe. Leider kommen immer mehr Betriebe nur noch schwer über die Runden. Manche müssen sogar ganz aufgeben. Viele Bauern blicken deshalb sorgenvoll in die Zukunft.

Niedrige Erzeugerpreise, globalisierte Märkte, hohe Investitionskosten sowie steigende Boden- und Pachtpreise setzen die Landwirtschaft unter Druck. Der voranschreitende Klimawandel und das ungekannte Ausmaß des Artensterbens stellen den Berufsstand vor weitere Herausforderungen. Um ihren Fortbestand zu sichern, müssen wir sie für die Zukunft stärken. Die SPD-Landtagsfraktion hat jetzt Vorschläge gemacht, wie das gelingen kann. Lesen Sie hier, wie Landwirtschaft Zukunft haben kann:

Landwirtschaft hat viele Aufgaben

Heutzutage reicht es nicht mehr, regionaler Lebensmittelerzeuger zu sein. Landwirt:innen müssen sich zukünftig wirtschaftlich breiter aufstellen, beispielsweise im Tourismus, dem Naturschutz, der Landschaftspflege oder der Energiewirtschaft.

Viele Landwirt:innen haben bereits heute mehrere Standbeine. Manche betreiben Hofcafés, Heuhotels oder auch eine Swing-Golf-Anlage, andere verkaufen ihren eigenen Käse oder Cidre. Einige Bauernhöfe werden zu Erlebnisbauernhöfen für Familien oder bieten eine Auszeit vom Stress. Wieder andere werden zur Solidarischen Landwirtschaft umfunktioniert. Viele Landwirt:innen nutzen ihren Platz auch, um Pferde- und Wohnmobilstellplätze anzubieten. Eine multifunktionale Landwirtschaft steht sicherer da, weil sie sich auf verschiedene Standbeine verlassen kann.

Naturschutzziele definieren: Landwirte machen lassen

Der Erhalt der biologischen Vielfalt fordert uns alle heraus. Die Artenvielfalt in NRW befindet sich schon heute in keinem guten Zustand. Daher ist es notwendig, Offen- und Weidelandschaften in NRW zukünftig umweltschonender zu bewirtschaften.

Natur-, Klima- und Artenschutz sind dringliche Aufgaben. Derartiges Engagement muss verstärkt und vor allem fair bezahlt werden. Aus diesem Grund will die SPD eine Gemeinwohlprämie einführen, die bisher unvergütete Leistungen im Bereich Naturschutz entlohnt. Bei diesen Aufgaben sollte der Gesetzgeber nur die Ziele vorgeben und die Ergebnisse kontrollieren, jedoch nicht den Weg, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Landwirt:innen wissen selbst am besten, welche Maßnahmen am sinnvollsten für ihren Betriebszweig sind. Zu viele Auflagen sind hierbei hinderlich, das habe ich in einem anderen Kontext bereits geschrieben.

Landwirtschaftliche Betriebe sollen die Option haben, einen professionellen Betriebszweig Naturschutz aufzubauen. Das wird durch die Förderung der Landschaftspflege durch Schaf- und Ziegenherden unterstützt. Damit Landwirt:innen überhaupt erst die Möglichkeit haben, neue Betriebszweige für sich zu entdecken, möchte die SPD die Beratungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten ausweiten. Biodiversitätsberatung sollte dabei kostenfrei sein.

Landwirtschaft braucht Boden

Damit die Landwirtschaft in NRW gedeihen kann, braucht sie ausreichend landwirtschaftlich nutzbare Fläche und fruchtbare Böden. Doch die aktuelle Preisentwicklung für Agrarland gefährdet die landwirtschaftlichen Betriebe. Der Flächenfraß von 19 Hektar pro Tag (!) und der vermehrte Druck von nicht-landwirtschaftlichen Interessenten auf den Bodenmarkt haben zu einer massiven Preissteigerung geführt. Wir wollen die UTP-Richtlinie der EU gegen Dumpingpreise bei Agrarflächen noch verschärfen. Aus diesem Grund fordert die SPD-Landtagsfraktion ein Agrarstrukturgesetz, das für eine bessere Bodenpolitik für Landwirt:innen sorgen soll.

Auch an anderen Stellen sind Landwirt:innen oft im Nachteil. Das liegt daran, dass sie von großen Vertrieben wie Molkereien, Schlachtunternehmen und nicht zuletzt vom Lebensmitteleinzelhandel abhängig sind. Das muss sich dringend ändern! Wir unterstützen deshalb diejenigen, die stärker in die Verarbeitung ihrer eigenen Produkte einsteigen wollen – egal ob alleine oder durch lokale Initiativen, Erzeugergemeinschaften, Bürgeraktiengesellschaften u.v.m.

Regional ist das neue Bio

Lebensmittel werden heute kaum noch in ihren Anbauregionen verarbeitet. Das hat negative Auswirkungen auf das Klima, das Tierwohl, die verarbeitende Wirtschaft in der Region und die Attraktivität des ländlichen Raumes. Die Distanz zwischen der Landwirtschaft und den Verbraucher:innen wächst durch die Anonymität und Entfernung.

Das müsste nicht so sein, denn: Regional ist das neue Bio. Die Nachfrage und das Vertrauen in regionale Lebensmittel ist hoch. Im Kreis Wesel gibt es schon heute viele Höfe, die ihre Produkte direkt vor Ort verkaufen. Mein Team und ich haben diese Regionalvermarkter im Kreis Wesel mal in einer Karte zusammengefasst.

Regionale Vermarktung ist dabei richtig viel Arbeit, weil man von der Zucht, Vermarktung und Vertrieb alles selbst übernehmen muss. Davon hat mir Landwirtin Astrid Gerdes in meinem Podcast berichtet. Wir wollen deshalb Landwirt:innen vor Ort dabei unterstützen, alternative Vermarktungswege einzuschlagen und dafür Partner zu finden. Als Hilfe könnten regionale Wertschöpfungszentren eingerichtet werden. Gebührenordnungen wollen wir so anpassen, dass kleine Strukturen nicht mehr benachteiligt sind.

Gesundes Essen: Gesunde Landwirtschaft

Damit Naturschutz in der Landwirtschaft funktioniert, müssen wir bei unserem eigenen Essen anfangen. Gesundes Essen für alle sollte auch Aufgabe der Politik sein. Jedem Menschen muss es möglich sein, sich gesund zu ernähren. Indem wir dafür sorgen, bekämpfen wir nicht nur unmittelbare Gesundheitsfolgen, sondern auch wachsende soziale Ungleichheit. Für die Landwirtschaft hätte eine gesündere Ernährung der Menschen den positiven Effekt, dass diese mehr auf regionale, saisonale und unverarbeitete Lebensmittel zurückgreifen würden.

Wie die SPD eine gesündere Ernährung fördern möchte? Wir wollen Anreize setzen, indem die einfache Wahl auch die Gesündere ist – im Supermarkt wie in der Kantine. Wir wollen Ernährungsinitiativen unterstützen wie bspw. Ernährungsräte, Slow Food Bewegungen, Solidarische Landwirtschaften u.v.m. In allen öffentlichen Einrichtungen sollten die Nachhaltigkeitsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verbindlich gelten. Lebensmittelverschwendung muss bekämpft werden, dazu brauchen wir die Unterstützung der Lebensmittelkonzerne. Kreative Formate wie bspw. bei Zu gut für die Tonne müssen gefördert werden.

Damit gesunde Ernährung die logische Wahl ist, müssen wir schon bei Kindern mit diesem Thema ansetzen. Wir wollen die Ernährungsbildung bei Kindern durch verpflichtende, lebensnahe Unterrichtsinhalte und ihre Anwendung fördern. Außerdem sollen alle Kinder ein kostenloses Mittagessen in der Kita und Schule erhalten.

Online-Konferenz Landwirtschaft hat Zukunft

Was muss sich verändern, damit Landwirt:innen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können? Wie die Landwirtschaft den aktuellen Herausforderungen begegnen kann und wie Politik und Gesellschaft sie dabei unterstützen müssen, habe ich mit Vertreter:innen der Kreisbauernschaft Wesel und Land schafft Verbindung e.V. online diskutiert. Hier gibt es den Audio-Mitschnitt der Veranstaltung zum Nachhören:

2 Kommentare zu „Landwirtschaft hat Zukunft“

  1. Christian Rösner

    Hallo René,
    Guter Artikel zu einem wichtigen Thema. Eure Karte der lokalen Selbstvermarkter finde ich besonders praktisch. Wir beziehen gerne selbstangebautes Gemüse, frische Eier und Rindfleisch aus eigener Haltung vom Hofladen der Familie Kühne vom Wesselshof in Saalhof. Die könntet ihr als nahe Quelle für Kamp-Lintforter noch in Eure Karte aufnehmen (https://www.facebook.com/wesselshof). Viele Grüße

    1. René Schneider

      Danke für das Lob und den guten Tipp – den werden wir schnellstmöglich in unsere Karte einbauen! 👍

      Liebe Grüße von nebenan. 😉

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