Von Umweltauflagen können sie bei der Firma KS Recycling (KSR) in Sonsbeck ein Lied singen. Seit zehn Jahren versucht das mittelständische Unternehmen, eine Anlage zur umweltgerechten Entgasung von Schiffen genehmigt zu bekommen. Gut für die Umwelt, denn noch entweichen die Gase oft einfach so in die Umwelt. Überraschend: Ausgerechnet Umweltauflagen bremsen das Projekt seit einem Jahrzehnt.

Verkehrte Welt denke ich, als ich bei meinem Besuch der Firma in Sonsbeck von den Problemen erfahre. Eigentlich bin ich gekommen, um mir das Kerngeschäft anzuschauen. Tankzüge bringen gebrauchte Flüssigkeiten aus Autowerkstätten her. Altöl, Bremsflüssigkeiten sonstwie verunreinigtes Wasser: Alles wird hier so aufbereitet, dass die gewonnenen Flüssigkeiten anschließend wie das Original genutzt werden können. Die beste Art des Recyclings, wie wir es auch für die Bauindustrie dringend brauchen.

„Ich mag den Kommunismus nicht, aber als Firma denken wir tatsächlich in Fünf-Jahres-Plänen“, lächelt mich Geschäftsführer Guido Schmidt an. Er und sein Co-Geschäftsführer Bernd Dorlöchter nehmen sich so lange Zeit, um ein neues Geschäftsfeld anzupacken. Sie erkunden den Markt, finden die Recycling-Lücke und schlussendlich entwickeln sie eine eigene Technik, die das Problem löst. Doch hier liegt der Haken: Die Anlagen, die schließlich zum Einsatz kommen sollen, gibt es nicht von der Stange. Sie werden kombiniert, neu zusammengestellt oder erweitert.

Termin mit 50 Behörden

Bei einem der Genehmigungstermine habe man 50 verschiedenen Behördenvertretern gegenüber gesessen, die alle ihre eigenen Vorgaben gemacht hätten. Diese widersprachen sich zum Teil sogar. Umweltauflagen zu beachten, das ist Kerngeschäft bei KSR. Was stört, sind mehrere Dinge: Einerseits fordern Behörden Grenzwerte, die erst noch beschlossen werden. Also jetzt eigentlich noch gar nicht erreicht werden müssen. Das ist besonders ärgerlich, wenn man bedenkt, dass währenddessen unkontrolliert durch Schiffsgase Unmengen an umweltschädlichem Gas entweicht.

Andererseits bekommen Investoren, und das höre ich an diesem Tag nicht zum ersten Mal, in Nordrhein-Westfalen andere Vorgaben gemacht, als in anderen Bundesländern. Ermessensspielraum nennt man das. Umweltauflagen des Bundes liest man hier also anders als etwa im benachbarten Niedersachsen. Ein Wettbewerbsnachteil.

Umweltauflagen klug nutzen

Für mich bleibt nicht erst nach diesem Termin der Eindruck, dass wir uns vergaloppieren. Umweltauflagen sind klug und wichtig. Behörden müssen sie einheitlich in einem Bundesland und besser noch bundesweit anwenden. Im Zweifel müssen die Beamten die Regeln Pro-Umwelt auslegen.Sonst blockieren wir die Lösung eines seit Jahrzehnten drängenden Umweltproblems, indem wir auf Umweltstandards pochen für eine Anlage, die daraufhin vielleicht nie gebaut wird. Wenn unter dem Strich ein Plus für unsere Umwelt steht, dann müssen wir Umweltauflagen auch mal so interpretieren, wie sie gedacht sind: für unsere Umwelt!

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