Landwirtschaft lief noch nie ohne Frauen, doch ihre Rolle wandelt sich zunehmend. Ob Bäuerin Bettina, Ann-Christin Kahler oder Fräulein Deere: Sie stehen für eine Generation Frauen, die die Männerdomäne Landwirtschaft verändert und zum Teil anders gestaltet.

Das WDR-Format Land und Lecker zeigt viele gute Beispiele dieser Frauen, die ihre Idee von Landwirtschaft leben. Dazu gehört häufig, dass die erzeugten Produkte direkt auf dem Hof verarbeitet und per Direktvermarktung angeboten werden. Dazu gehört auch Astrid Gerdes vom Gamerschlagshof in Xanten.

Landwirtin auf dem Gamerschlagshof

Astrid Gerdes bewirtschaftet gemeinsam mit ihren Töchtern seit 2002 den über 700 Jahre alten Gutshof, der idyllisch mitten im Xantener-Naturschutzgebiet Grenzdyck liegt. Der Hof ist besonders. Nämlich ein Arche-Hof. Hier werden vor allem vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen wie Bunte Bentheimer Landschweine, Bronzeputen oder Warzen-Enten gehalten und gezüchtet. Das Projekt begann als Hobby für den Unruhestand, wie Frau Gerdes mir in meinem Podcast schildert. Daraus wurde ein voller Betrieb mit Hofladen, direkter Vermarktung, Tierzucht und eben der Spezialisierung als Arche- und Lernbauernhof. Dabei gelangte sie auf Umwegen in die Landwirtschaft und ist nun, finde ich, ein Beispiel für die Generation Frauen, die nun in der ersten Reihe steht, ihren Betrieb nach ihren Ideen führt und so auch das Gesicht der Landwirtschaft verändert. Dazu gehört, aus Sicht von Astrid Gerdes, vor allem Transparenz.

Neue Transparenz als Geheimnis des Erfolgs

Je offener die Türen für potenzielle Kunden sind und je transparenter es für den Kunden ist, wie die Tiere und die Lebensmittel auf dem Hof erzeugt werden, umso höher ist das Vertrauen in und das Verständnis für die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte, so Gerdes. Astrid Gerdes berichtet von einem Kunden, der auf einer Radtour an einem Schweinemast-Betrieb vorbeikam und sich den Hof mal anschauen wollte. Dass der Kunde nicht vom Hof gejagt worden sei, sei alles gewesen. Das funktioniere nicht mehr. Landwirtschaft muss kommunizieren, so Gerdes.

Arten erhalten und trotzdem schlachten?

Das Prinzip des Arche-Hofs ist Nutztierrassen zu bewahren, die für die Fleischproduktion schlicht nicht mehr interessant sind. Zum Beispiel weil sie verhältnismäßig alt werden müssen, um geschlachtet zu werden, weil sie an den falschen Stellen Speck ansetzen oder sonstige vermeintliche Nachteile haben, die für die Produzenten nicht wirtschaftlich genug sind. Dennoch schlachtet auch der Gamerschlagshof irgendwann die Tiere. Ist das nicht ein Widerspruch? Nein, findet Astrid Gerdes. Denn die Arterhaltung und Zucht funktioniert nicht, indem die Tiere auf die Weide gestellt und nur angeschaut werden. Die Verarbeitung gehört dazu, so Astrid Gerdes. Und die Kunden wissen, dass da etwas ganz Besonderes auf den Tisch kommt. Salz und Pfeffer braucht es bei der Zubereitung des Fleischs meist gar nicht mehr, weil es durch Rasse, Fütterung und Haltung einen besonderen Eigengeschmack hat.

Regionale Vermarktung ab Hof

Die regionale Vermarktung wird zurecht immer beliebter. Und so werden die Produkte auch auf dem Gamerschlagshof regional vermarktet. Zudem beliefert der Hof auch einen örtlichen Supermarkt mit jährlich drei Rindern. Mittlerweile gibt es neben der Fleischerzeugung aber noch weitere Standbeine, sodass Astrid Gerdes ihren Betrieb mit einem Augenzwinkern als eierlegende Wollmilchsau bezeichnet, in dem es von allem etwas gibt. Gerade in diesem Jahr profitiert der Hof von dieser breiten Aufstellung.

Bekanntheitsschub durch Land & Lecker

Der Gamerschlagshof wurde durch Land & Lecker noch einmal bekannter. Dann kam die Corona-Pandemie, die regionale Produkte auch beliebter gemacht hat. Nicht zuletzt der Tönnies-Skandal, der aus Sicht von Frau Gerdes ebenfalls zu einem Schub für die heimischen Lebensmittel führte. Trotz Corona und vielen Absagen von Veranstaltungen auf dem Hof wie Holzfällerkursen oder Grillseminaren läuft der Hofladen gut weiter und erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit. Auch Astrid Gerdes bestätigt, dass das Bewusstsein für die Lebensmittel, die man zu sich nimmt, wieder größer wird.

Regionale Vermarktung ist viel Arbeit

Regionale Vermarkung ist dabei richtig viel Arbeit, berichtet Astrid Gerdes. Im Prinzip kann jeder direkt vermarkten. Mit der richtigen Einstellung und dem Willen etwas anders zu machen. Aber es ist verdammt viel Arbeit, denn die gesamte Organisation muss übernommen werden. Von der Zucht, Aufzucht, Vermarktung und dem Vertrieb. Logisch: Denn je mehr Aufgaben man abgibt, desto mehr Geld verliert man auch. Astrid Gerdes macht diesen betreuungsintensiven Job aber gerne. Sie berichtet, dass sie das Beste aus ihren beiden Welten in der alltäglichen Arbeit hat, der Landwirtschaft und der gelernten Hotellerie. Einerseits die Arbeit auf dem Hof, in der Matsche beim Rinder bewegen und andererseits die Arbeit im Hofladen sowie mit den Gästen in den Seminaren.

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