Evangelikale Christen – von denen hat man in den vergangenen Wochen viel gehört und gelesen. Ihnen hat US-Präsident Donald Trump eine Menge zu verdanken, weil sie für ihn gebetet und geworben haben. Und das auf eine ganz extreme Art, wie dieses Beispiel zeigt. Marcus Bastek, Pfarrer der Friedenskirche in Kamp-Lintfort, ist Evangelikaler. Weil mich das Thema „Religion und Politik“ interessiert, habe ich ihn gefragt: Wäre sowas auch in Deutschland möglich?

Evangelikale unterscheiden sich

Im Gespräch wird deutlich, dass uns von den Zuständen in Amerika nicht nur tausende von Kilometern trennen. Die Denkweisen in den USA und Europa könnten schlicht nicht unterschiedlicher sein. Während der direkte Einfluss der Evangelikalen auf Wahlen und Politik auf der anderen Seite des Atlantiks enorm sind, halten sich die Gläubigen in Europa zurück.

„Wir reden keinem rein und wollen, dass uns dafür auch keiner reinredet“, erklärt mir Marcus in meinem aktuellen Podcast. Bei uns leben die Evangelikalen eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Kirchensteuern gibt es nicht. Die Gemeinde lebt von den Spenden ihrer Mitglieder.

Darum war es zu Beginn der Corona-Pandemie als der erste Lockdown kam auch nicht schwer, Geld für die Digitalisierung der Gottesdienste zu bekommen. „Die Wege sind bei uns kurz und so war das schnell möglich“, sagt Marcus und erzählt, wie sie mit Kamera und Mikrofon in die Übertragung ihres ersten Gottesdienstes gingen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass das damals noch sehr holprig war. Weil wir nicht in die Kirche konnten, haben wir uns den Gottesdienst online angeschaut. Doch Marcus und ein Team interessierter Gemeindemitglieder brannten für das Thema. Mittlerweile steht die Technik und gestattete im Spätsommer sogar einen Open-Air-Gottesdienst live zu übertragen.

YouTube schon vor der Pandemie

Nicht erst seit der Corona-Krise nutzten Marcus Bastek und seine Friedenskirche das Internet. Den YouTube-Channel gab’s schon vorher, weshalb der Wechsel von off- auf online schnell ging. Dabei war Marcus ganz schön kreativ, zum Beispiel während der Zeit vor Ostern. Einen Kreuzweg durch meine Heimatstadt Kamp-Lintfort beschreibt er zum Beispiel in diesem Video:

Auf den sonntäglichen Gottesdienst bereitet sich Marcus immer donnerstags vor. „Predigtkonserve“ habe er in den vergangenen zehn Jahren selten genutzt. Will sagen: Jeden Sonntag gibt es einen frischen Gedanken. Und wenn ihm in Zukunft tatsächlich einmal nichts einfallen sollte, würde er seiner evangelikalen Gemeinde auch das sagen. Er glaubt ohnehin nicht, dass eine einzelne Predigt zur Erleuchtung führe. „Nicht diese 15 Minuten an einem Sonntag sind es, sondern die Beziehung, die wir über Jahre zueinander aufbauen“, beschreibt Marcus den Erfolg in seiner Gemeinde.

Zwischen 90 und 100 Gläubige sind in der Regel sonntags vor Ort. Während Corona sind es weniger, weil viele von ihnen den Gottesdienst von zu Hause aus verfolgen. Das Alter spiele hier keine Rolle, weiß Marcus. Denn selbst 80-Jährige haben zum Ende ihres Berufslebens die Digitalisierung der Arbeitswelt noch gestriffen. „Sie wissen also was E-Mails sind und wie man einen Link klickt“, schmunzelt der evangelikale Pfarrer und freut sich drauf, sie nächsten Sonntag bei YouTube begrüßen zu können.

2 Kommentare zu „Evangelikale in Deutschland trennen Kirche und Staat“

  1. Hallo René
    Ich habe mir alles angeschaut und bin beeindruckt.
    Pfarrer Bastek hat alles so toll und authentisch erklärt und seine ganzen Gefühle reingelegt.
    Vielen Dank an Euch und liebe Grüße
    Barbara

    1. René Schneider

      Danke für das liebe Feedback! Unser Gespräch hat uns soviel Spaß gemacht, dass wir künftig einen eigenen Podcast auf die Beine stellen wollen. Das wird gut… 😃

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