Es herrscht Lehrermangel in Deutschland. Deshalb fällt seit Jahren Unterricht aus. Weil das keiner will, stellt die schwarz-gelbe Landesregierung – übrigens ebenso wie die von rot-grün bis 2017 – viel Geld bereit. Das Problem: Wo kein Lehrer ist, kann man auch keinen einstellen. Mit dem Geld ließe sich dennoch einiges bewirken.

Lösen mehr Stellen das Problem?

Für das Jahr 2019 hat der Landtag dem Schulministerium insgesamt rund 19 Milliarden Euro bereitgestellt. Das meiste Geld soll für Personal ausgegeben werden. Der Haushaltsentwurf sieht 1.005 zusätzliche Stellen vor, allein 949 neue Stellen für Lehrer. Doch leider gibt es in ganz Deutschland nicht genug Pauker, die man auf diese Stellen setzen kann. Geld allein löst also nicht den Lehrermangel. Man könnte auch eine Fantastillion Euro in den Haushalt einstellen und hätte doch noch zu wenig Lehrerinnen und Lehrer. In den kommenden zehn Jahren, so hat mir die Landesregierung auf meine Kleine Anfrage geantwortet, fehlen rund 15.000 Lehrer vor allem in der Grundschule, bei den Berufskollegs und in den Klassen 5-10 der weiterführenden Schulen. Auch Sonderpädagogen gibt es demnach viel zu wenige. Auf der anderen Seite werden 16.000 Gymnasiallehrer zu viel ausgebildet worden sein. Sie wären über, sollten sie nicht anderswo lehren können und wollen.

Und da ist ein Knackpunkt, denn die Pauker in der Grundschule bekommen sehr viel weniger Geld als an weiterführenden Schulen und noch dazu an Gymnasien. Auch deshalb haben wir als SPD erneut im Landtag den Antrag gestellt, für gleiche Bezahlung zu sorgen.

Was kann man noch gegen den Lehrermangel tun?

Klar, wir brauchen mehr Ausbildungsplätze sprich Studienplätze für Lehrerinnen und Lehrer. Hier hat der Landtag beschlossen, jährlich 339 Grundschullehrer und 250 Sonderpädagogen mehr auszubilden. Das ist derzeit aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Jetzt sollen es Quereinsteiger richten, die massenhaft den Weg in die Lehrerzimmer des Landes finden. Das muss nicht schlecht sein. Auch wenn ich als Schüler so meine Erfahrungen gemacht habe mit – hart, aber leider wahr – in der freien Wirtschaft gescheiterten Gestalten, die ohne pädagogischen Anspruch knallhart Stoff in unsere Köpfe klopfen wollten. Andererseits lehrt gerade die Digitalisierung, dass eine moderne Art der Wissensvermittlung via iPad & Co. viel bringen kann. Seiteneinsteiger haben das eventuell sogar besser drauf. Aber das sind alles nur Vermutungen.

Fakt ist, dass wir den Lehrermangel mithilfe des beschlossenen Geldes nicht abstellen jedoch zumindest ein wenig lindern könnten. Dazu habe ich im Zusammenhang mit dem „Digitalpakt Schule“ schon einige Vorschläge gemacht. Da es hier nicht weitergeht, sollten wir in NRW den Schulleitern die Möglichkeit geben, das Geld für nicht besetzte Lehrerstellen anderswo sinnvoll einzusetzen. Mir fallen da einige Sachen ein:

  • Gerade für die Inklusion brauchen wir bessere Ausstattung und vielfach mehr Lehrer. Wenn es die wegen des Lehrermangels nicht gibt (s. o.), dann aber vielleicht andere Unterstützung für den jeweiligen Lehrer. Integrationshelfer zum Beispiel. Die könnte man von dem Geld bezahlen.
  • Die Investition in vernünftige Technik wie Beamer und iPads ist das eine. Wenn die Schüler darüber verfügen, können sie zig sinnvolle Programme nutzen. So können sie dann selbstständig lernen, wenn mal wieder eine Stunde ausfallen muss. Von meinem Sohn kenne ich zum Beispiel das Programm Phase 6 zum Vokabellernen. Für Berufskollegs gibt es Lernumgebungen wie Vocanto mit denen online verständlich erklärt wird, was Azubis wissen müssen. Die Lizenzen für diese Programme könnten von dem Geld des Landes bezahlt werden.
  • Nicht vernachlässigt werden darf, dass nicht nur Geld in Köpfe, sondern auch in Räumlichkeiten fließen muss. Die Schulen müssen Orte sein, an denen man gut lernen kann. Dazu trägt nicht nur die so häufig genannte digitale Ausstattung bei, sondern schlicht und ergreifend die alltägliche Lernumgebung der Kinder.

Wenn wir den Schulen das liegen gebliebene Geld geben, werden sie es sicher sinnvoll einsetzen, um die Folgeerscheinungen des Lehrermangels zumindest zu lindern. Abgestellt wird er nur, wenn wir am Ende möglichst alle Stellen auch besetzt haben. So lange kann das bewilligte und nicht abgerufene Geld sinnvoll eingesetzt werden. Diesen Vorschlag haben wir im Landtag gemacht. Leider haben CDU und FDP unseren Antrag abgelehnt.

Stellenbedarf und Stellenversorgung im Wahlkreis

Hier gibt es die Übersicht, wie viele Lehrerinnen und Lehrer in den jeweiligen Städten und Gemeinden meines Wahlkreises fehlen:

Alpen
Kamp-Lintfort
Neukirchen-Vluyn
Rheinberg
Sonsbeck
Xanten

1 Kommentar zu „Lehrermangel: Viel Geld kann viel helfen“

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