Kamp-Lintfort ist Stadt der Landesgartenschau 2020. Viele Beobachter können es deshalb nicht verstehen, wenn derzeit viele Bäume gefällt werden. Tatsächlich röhrt aktuell auffallend oft die Motorsäge. Dafür gibt es zahlreiche Gründe.

Bäume auf Privatgrundstücken

Wer einen Baum auf seinem eigenen Grundstück fällen möchte, kann das in Kamp-Lintfort ohne vorherige Genehmigung tun. Die Stadt hat keine Baumschutzsatzung, so dass lediglich die Schutzzeiten nach Bundesnaturschutzgesetz (§39 BNatSchG ) gelten. Heißt: Vom 1. März bis zum 30. September ist das Fällen von Bäumen untersagt. Den Vögeln und anderen Tieren zuliebe, die im Frühjahr und Sommer in den Baumkronen leben und brüten. Naturdenkmäler wie der rund 150 Jahre alte Mammutbaum nahe des Eyller Berges sind selbstverständlich das ganze Jahr über geschützt. Wenn nun aber Grundstücksbesitzer aus welchen Gründen auch immer Bäume auf ihrem Gelände fällen möchten, dann können sie das tun. Dort, wo Investoren auf ihren Grundstücken etwas bauen, drängt die Stadt dazu, dass anschließend an anderer Stelle mindestens genauso viele Bäume wieder gepflanzt werden.

Bäume im öffentlichen Raum

An vielen Stellen in der Stadt werden gleich ganze Straßenzüge abgeholzt. Das geschieht nach einem Plan, den der Stadtrat 2010 in Auftrag gegeben hat. Damals beschwerten sich Anwohner der Altsiedlung über die Bäume vor ihrer Haustüre. Viel zu groß, viel zu viel Schatten, viel zu viel Dreck – das waren die Beschwerden vor allem über die dort zu findenden Platanen. In der Folge hat man den Baumbestand in ganz Kamp-Lintfort unter die Lupe genommen und ist u.a. zu folgenden Ergebnissen gekommen:

  • Die Bäume in der Altsiedlung sind größtenteils gesund. Auch wenn sie den Anwohnern viel Ärger bereiten, sorgen sie für ein gutes Klima in der Stadt und stellen auch einen ökonomischen Wert dar.
  • Insgesamt ist der Baumbestand in Kamp-Lintfort allerdings stark überaltert. Fast die Hälfte der Bäume befindet sich in der Alterungsphase. Das bedeutet, dass diese Bäume insgesamt mehr Arbeit machen und z.T. auch eine Gefahr darstellen können.
  • Unter den Bäumen, die älter als 55 Jahre alt sind, sind etliche geschädigt und krank.
  • Die Baumarten, die vor einem halben Jahrhundert in der Stadt gepflanzt wurden, gehören wegen ihrer enormen Größe eigentlich in den Wald.
Übersicht Bäume in Kamp-Lintfort und ihr Alter
So alt sind die Bäume in Kamp-Lintfort (Stand 2011; Quelle: Stadt Kamp-Lintfort)

Ich kann mich noch gut erinnern, dass vor rund acht Jahren viele dieses Ergebnis überrascht hat. Ebenso die Folgen, denn statt Bäume in der Altsiedlung zu fällen, mussten nun nach und nach Bäume an ganz anderen Stellen der Stadt entfernt werden. Und weil das jeweils in ganzen Straßenzügen passiert, sind heute viele Anwohner bei dem Anblick zunächst geschockt und wundern sich. Letztlich ist das Vorgehen aber nur konsequent und für jeden gefällten Baum rückt anschließend ein neuer Baum nach.

Nach diesem Plan wurden und werden in den nächsten Jahren die alten und zum Teil kranken Bäume entfernt und durch neue ersetzt. (Quelle: Stadt Kamp-Lintfort)

Bäume weg für Bauprojekt

Für jeden gefällten Baum mindestens ein neuer Baum: Diese Regel gilt auch für Bäume, die bei Bauprojekten der Stadt fallen müssen. Nehmen wir zum Beispiel die Bäume entlang der Goorley gegenüber dem Wandelweg. Dort entsteht ein zweiter Fuß- bzw. Radweg auf dem sich die Menschen zwischen Kloster und Zechenpark bewegen können. Das ist nötig, damit alle Besucher der Landesgartenschau Platz haben – nicht nur 2020 sondern auch noch Jahre danach.

Anderes Beispiel: Wohnungsneubau am Tor Ost. Im dortigen Park mussten 14 Bäume weichen, damit bezahlbare Miet-Wohnungen entstehen können. In diesem Fall werden anschließend genauso viele Bäume neu gepflanzt werden. Nachteil: Diese sind natürlich sehr viel kleiner und haben nicht an gleicher Stelle Platz. Dafür gedeihen zum Beispiel auf dem Zechengelände hunderte neuer Bäume. Dort, wo über ein Jahrhundert lang kaum etwas gewachsen ist. So verteilt sich am Ende der Baumbestand innerhalb der Stadt neu, ohne dass wir einen einzigen Baum verlieren. Im Gegenteil: In Zukunft wird es in der Stadt der Landesgartenschau 2020 sehr viel mehr Bäume geben als vorher!

Einen guten Überblick über die Bauprojekte in Kamp-Lintfort gibt übrigens die Internetseite der Stadt.

Bäume im Wald

Für die Wälder in Kamp-Lintfort gilt das höchstwahrscheinlich nicht. Denn im vergangenen Jahr 2018 haben Stürme und lange Trockenheit dem Wald in Nordrhein-Westfalen arg zugesetzt. Das ist auch in Kamp-Lintfort der Fall. Die Bäume in der Leucht oder im Niederkamper Wald etwa mussten im Frühjahr 2018 dem Orkantief Friederike trotzen, im darauf folgenden Sommer machte ihnen Sonne und wochenlange Trockenheit Stress. Die negativen Folgen konnte ich schon während meiner Sommertour 2018 besichtigen. Derzeit arbeitet die Forstverwaltung daran, die umgestürzten und kranken Bäume zu fällen. Sie sollen nicht als Totholz liegen bleiben, sondern Platz machen. So haben neue Bäume eine Chance, im Sonnenlicht zu wachsen.

Gleichwohl wird sich auch hier das Gesicht des Waldes verändern. Und das hat mit dem Klimawandel zu tun, den manche heimische Baumarten schlecht vertragen. So wählen Förster und auch das städtische Grünflächenamt in Zukunft vor allem solche Bäume aus, die in unseren Breitengraden eine gute Überlebenschance haben.

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