Mehr als zwei Millionen Hunde leben in Nordrhein-Westfalen. Ich selbst bin zwar kein „Hunde-Papa“, trotzdem liegt mir das Wohl unserer Vierbeiner natürlich am Herzen. Denn seit 2022 bin ich für den Tierschutz in der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag zuständig. Seitdem habe ich mich mit vielen Fachleuten aus der Praxis getroffen. In den Tierheimen in Kamp-Lintfort, Duisburg und Düsseldorf konnten ich mir ein Bild von ihrer Arbeit machen – und vor allem von den großen Herausforderungen, vor denen sie stehen. Besonders bitter ist es, wenn Hundehalterinnen und Hundehalter die Verantwortung für ein Tier unterschätzen. Aus „Mami, Papi, wir möchten einen Hund!“ wird schnell ein gut gemeinter Kauf. Plötzlich steht ein süßer Dackel im Wohnzimmer. Doch auch ein kleiner Hund hat Bedürfnisse, stellt Anforderungen an seine Halter und kostet auch eine Menge.
Wenn drei Wochen nach der Anschaffung klar wird, dass der Hund doch nicht zum eigenen Alltag passt, landet er nicht selten im Tierheim. Das ist enttäuschend für die Familie, bitter für das Tier und bedeutet noch mehr Arbeit für die ohnehin rappelvollen Tierheime. Gemeinsam mit Hundetrainer und TV-Größe Martin Rütter habe ich deshalb eine Initiative entwickelt, die genau hier ansetzt. Wir wollen einen Sachkundenachweis – also einen verbindlichen Hundeführerschein, der alle Halterinnen und Halter vor der Anschaffung auf das vorbereitet, was auf sie zukommt (direkt zum Antrag).
Was ist ein Hundeführerschein?
Was braucht ein Hund eigentlich? Wie erkenne ich Stress oder Angst? Was kostet ein Hund im Laufe seines Lebens? Und woran erkenne ich eine seriöse Zucht oder Vermittlung? Auf diese und viele weitere Fragen soll der Hundeführerschein (Fachbegriff: Sachkundenachweis) frühzeitig vorbereiten. Das hilft besonders Menschen, die sich zum ersten Mal einen Hund anschaffen möchten. Sie sollen in Zukunft eine Schulung machen und eine Prüfung ablegen. Viele nutzen entsprechende Angebote schon heute freiwillig. Das zeigt: Das Interesse ist da.

Im Gespräch mit der Praxis: Hundetrainer Enrico Seeber in Voerde.
Wie kann mehr Wissen Tierleid vermeiden?
Der Hundeführerschein soll helfen, Fehlentscheidungen zu vermeiden. Wer sich vor der Anschaffung mit den wichtigsten Grundlagen beschäftigt, kann besser einschätzen, ob ein Hund wirklich zum eigenen Leben passt. Vor allem die Tiere sollen am Ende profitieren. Wenn Menschen besser vorbereitet sind, landen langfristig weniger Hunde aus Überforderung oder wegen falscher Erwartungen im Tierheim. Auch gefährliche Situationen wie Beißvorfälle können durch mehr Wissen über das Verhalten von Hunden und richtiges Training reduziert werden. Zur Verantwortung gehört außerdem, sich mit der Herkunft des Wunschhundes auseinanderzusetzen. „Der hier auf eBay ist doch süß!“ – ein solcher Kauf kann illegalen Welpenhandel oder Qualzucht unterstützen. Mit der Sachkunde erlernen Halterinnen und Halter, wie der Kauf richtig läuft. Damit bekämpfen wir also auch Kriminalität. Der Deutsche Tierschutzbund hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als 1.400 Fälle von illegalem Welpenhandel aufgedeckt. Die Dunkelziffer liegt vermutlich noch deutlich höher. Eine bewusste Entscheidung für seriöse Anbieter kann deshalb helfen, Tierleid zu vermeiden.
Wie können wir gleichzeitig Tierheime stärken?
Mir ist wichtig: Die Tierheime sollen nicht nur durch weniger Abgaben von der Sachkunde profitieren. Sie sollen ein Teil der Lösung sein. In den Tierheimen arbeiten Menschen, die jeden Tag erleben, was gute Hundehaltung bedeutet – und was passiert, wenn sie nicht funktioniert. Ich habe dort Menschen mit unglaublich viel Wissen und Herz kennengelernt. Deshalb sollen Tierheime und Tierschutzvereine die Kurse für den Sachkundenachweis anbieten. Dafür reichen bereits kurze Veranstaltungen am Wochenende. Die Gebühr soll zwischen 100 und 150 Euro liegen. Mit Blick auf bis zu 20.000 Euro, die ein Hund im Laufe seines Lebens kosten kann, ist das eine überschaubare Summe. Die Kursgebühren gehen zu 100 Prozent an die Tierheime. Sie können das Geld wirklich gut gebrauchen. Der Staat bekommt von unserem Konzept keinen Cent.

Damit aus dem Wunsch nach einem Hund echtes Hundeglück wird
Die Idee eines Hundeführerscheins ruft vor allem zwei Kritikpunkte hervor. Erstens befürchten manche Menschen mehr Bürokratie. Das ist nicht der Fall. Bei der Anmeldung des Hundes beim Amt wäre lediglich ein zusätzliches Häkchen nötig. Zweitens sprechen manche von Gängelung. Doch am Ende geht es um gute Mensch-Hund-Beziehungen. Und selbst erfahrene Hundehalterinnen und Hundehalter sagen mir: Man lernt nie aus. Deshalb gilt für mich: Wer sein Tier liebt, macht sich schlau. Genau dabei soll der Sachkundenachweis helfen – damit aus einem spontanen Wunsch eine bewusste Entscheidung wird und aus dem Hund ein dauerhaftes Familienmitglied. Und versprochen: Wenn es losgeht, besuche ich so einen Kurs natürlich auch. Vielleicht werde ich ja doch noch Hunde-Papa … 😉



