Die Asiatische Hornisse: Warum uns diese invasive Art Sorgen machen muss – und was jetzt zu tun ist

asiatische Hornisse Nahaufnahme

Die Asiatische Hornisse breitet sich in Deutschland und auch in Nordrhein-Westfalen aus. Viele haben sicher schon davon gehört. Doch was macht diese Hornisse so gefährlich? Das berichte ich in diesem Q&A – und erkläre Euch, warum ich die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) im Landtag zum Thema mache.

Was ist die Asiatische Hornisse – und woran erkennt man sie?

Ursprünglich stammt die Hornissenart aus Südostasien. Über den internationalen Warenverkehr wurde sie nach Europa eingeschleppt. In Deutschland wurde sie erstmals 2014 nachgewiesen, inzwischen ist sie auch in Nordrhein-Westfalen angekommen. 7.300 Tiere wurden im Jahr 2025 in NRW gemeldet. Das sind fünfmal so viele wie im Jahr davor.[1] Die Asiatische Hornisse gilt als invasive Art, weil sie nicht nur neue Lebensräume besiedelt, sondern auch das lokale Ökosystem beeinflussen kann.

Die Asiatische Hornisse ist etwas kleiner als unsere heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro). Typisch sind ihr fast schwarzer Körper, eine gelb-orange Binde am Hinterleib und vor allem ihre auffällig gelben Füße – daher auch der Name „Gelbfüßige Hornisse“.

Auch beim Nestbau gibt es Besonderheiten: Die Asiatische Hornisse beginnt das Jahr mit einem kleinen Gründungsnest. Im Laufe des Sommers entsteht häufig ein großes Sekundärnest, das meist hoch oben in Bäumen hängt. Das macht die Nester nicht nur schwer zu entdecken, sondern auch aufwendig und anspruchsvoll zu entfernen. Mit bis zu 2.000 Tieren pro Volk hat die Art deutlich mehr Jägerinnen als die heimische Hornisse.

Im Gespräch mit der Praxis: Zu Besuch beim Bienenzuchtverein Alpen-Rheinberg-Sonsbeck

Warum breitet sie sich so schnell aus?

Die Asiatische Hornisse kann sich schnell an fremde Gebiete anpassen. Deswegen schnellen die Sichtungen exponentiell nach oben. Ob in Städten, Wäldern oder auf dem Land, sie findet geeignete Lebensbedingungen und Nahrungsquellen. Hinzu kommt ihre hohe Fortpflanzungsrate: Aus einem Nest können zahlreiche Jungköniginnen hervorgehen, die im nächsten Jahr neue Völker bilden. In Europa hat sie kaum natürliche Feinde, die ihre Ausbreitung bremsen.

Auch die klimatischen Bedingungen spielen eine Rolle. Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung, da mildere Winter und längere warme Perioden das Überleben der Königinnen begünstigen. Was ursprünglich durch eine Einschleppung über den Warenverkehr begann, wird dadurch zu einer dauerhaften Herausforderung.

In einigen Regionen wurde anfangs zu spät reagiert oder es fehlten die Mittel, um Nester schnell und professionell zu entfernen. Je weiter sich die Asiatische Hornisse etabliert, desto schwieriger wird die Eindämmung. Deshalb ist es wichtig, Nester möglichst früh zu erkennen und fachgerecht zu beseitigen. Diese Chance vertrödelt aktuell auch die nordrhein-westfälische Landesregierung. Expertenwarnungen hat sie in den Wind geschlagen, bis sie im  2026 nach Monaten endlich ein mageres Förderprogramm zum Kampf gegen die Asiatische Hornisse aufgelegt hat.

Wie gefährlich ist die Asiatische Hornisse?

Für Menschen ist die Asiatische Hornisse grundsätzlich nicht gefährlicher als die heimische Europäische Hornisse. Anders als Wespen interessiert sie sich kaum für uns oder unser Marmeladenbrot. Nur wenn sie ihr Nest in Gefahr sieht, sind Stiche wahrscheinlicher. Für Menschen mit Insektengiftallergien kann es dann gefährlich werden. Wird ein Mensch von der Asiatischen Hornisse attackiert, drohen rasch Stiche von vielen weiteren. Das ist die eigentliche Gefahr – verbunden mit dem Aufruf zur Vorsicht. Das gilt vor allem für Menschen, die etwa im Garten- und Landschaftsbau unterwegs sind – und zufällig auf Nester stoßen können.

Höchste Gefahr: Die Asiatische Hornisse macht Jagd auf Bienen. Das ist nicht nur ärgerlich für Imker, sondern bedroht unsere Artenvielfalt und letztlich unsere Landwirtschaft.

Warum stehen Imkerinnen und Imker besonders unter Druck

Die Asiatische Hornisse ist nicht nur ein Problem für Imkerinnen und Imker, weil sie auch Wildbienen, Schwebfliegen und andere Bestäuber frisst. Jedoch macht sie gezielt Jagd auf Honigbienen. Gerade für Imker ist das ein Mega-Problem. Die Hornissen jagen Honigbienen direkt vor den Bienenstöcken, was zum einen zu Verlusten im Bienenvolk führt. Zum anderen kann die Gefahr vor der Tür dazu führen, dass die Bienen weniger ausfliegen. Das schädigt das gesamte Bienenvolk, die Bestäubung und langfristig die Biodiversität.

Für die Imkerinnen und Imker entsteht ein erheblicher zusätzlicher Aufwand. Sie müssen ihre Bienenstände beobachten, verdächtige Tiere erkennen, mögliche Nester ausfindig machen und deren Entfernung organisieren. Denn gerade die großen Sekundärnester befinden sich häufig hoch oben in Bäumen und sind nicht einfach zugänglich.

Hinzu kommt: Die Bekämpfung ist nichts, was man mal eben selbst erledigen kann. Dafür braucht es Fachwissen, geeignete Schutzkleidung und spezielle Ausrüstung.

Warum wir Imkerinnen und Imker nicht alleine lassen dürfen

Unsere Imkerinnen und Imker brauchen Unterstützung. Nordrhein-Westfalen hat 2026 ein Förderprogramm zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse mit 150.000 Euro aufgelegt. Rückmeldungen von Fachleuten aus der Praxis zeigen allerdings, dass die Fördersumme zu gering ist und bürokratische Hürden den Weg versperren.

Dabei zeigen die bisherigen Zahlen bereits, dass der Bedarf wächst und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln kaum zu befriedigen ist. Zum 7. Oktober 2026 waren nur fünf Monate nach Start des Förderprogramms 48 Förderanträge bewilligt worden. Damit wurden zu diesem Zeitpunkt unter anderem 85 Schutzanzüge, 21 Bekämpfungssets und die Beseitigung von 164 Primärnestern gefördert. Gleichzeitig steigt die Zahl der gemeldeten Nester weiter.

Ein Nest der Asiatischen Hornisse

Was muss jetzt passieren?

Wir brauchen eine verlässliche und ausreichende finanzielle Unterstützung bei der Bekämpfung. Ich fordere daher mit der SPD-Fraktion fünf Millionen Euro jedes Jahr gegen die Asiatische Hornisse. Das Land NRW darf nicht auf den guten Willen in einzelnen Städten oder bei einzelnen Imkern hoffen. Jetzt braucht es den Hornissen-Hammer, bevor die Probleme nicht mehr einzudämmen sind. Imkervereine brauchen geeignete Schutzkleidung und Bekämpfungssets. Menschen, die sich vor Ort um die Bekämpfung kümmern, müssen entsprechend geschult werden. Wenn ein Nest entdeckt wird, muss klar sein, wer die Entfernung übernimmt und wie sie finanziert wird. Gerade bei einem jungen Förderprogramm können und müssen wir nachbessern, wenn sich in der Praxis Schwachstellen zeigen. Genau das fordern wir als SPD-Fraktion von der Landesregierung.


[1] https://rp-online.de/nrw/panorama/asiatische-hornisse-breitet-sich-in-nrw-stark-aus_aid-147867029

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