Der Niederrhein ist meine Heimat. Umso stolzer bin ich drauf, dass immer mehr Menschen hier gerne ihren Urlaub verbringen. Warum das so ist, darüber habe ich mit Martina Baumgärtner gesprochen. Als Geschäftsführerin der Niederrhein Tourismus GmbH macht sie Touristen aus aller Welt neugierig auf unsere niederrheinische Heimat.

Wie sieht er aus der typische Niederrhein-Tourist? Er kommt aus dem Umkreis, lebt also maximal zwei Stunden von hier. Die Haupt-Zielgruppe für Baumgärtners Tourismusverband kommt damit aus dem Ruhrgebiet, den Niederlanden und Belgien. Angelockt werden die Touristen vom Spaß an der Natur. Die meisten erkunden dann per Rad die Region – kein Wunder, kümmert sich der Niederrhein Tourismus doch bereits seit 14 Jahren um das Thema und hat in dieser Zeit ein praktisches Knotenpunktsystem für Radfahrer etabliert.

Begeistert sind die Gäste aber auch von der regionalen Küche. Deshalb endet fast jeder Tagesausflug mit frischem Kuchen oder einem leckeren Essen. Ich sag es ja: Heimat kann man nicht nur fühlen, sondern auch schmecken.

Corona hat reingehauen

Wie könnte es anders sein: Durch Corona hat sich 2020 einiges verändert. Einerseits haben die Übernachtungen in Ferienwohnungen, Reisemobilen und auf Campingplätzen stark zugenommen. Die Hotels leiden dagegen unter den Lockdowns. Ende August lag dort das Minus bei den Übernachtungen bei rund 38 Prozent. Diese Zahl dürfte im Herbst und Winter aber nochmal steigen. Vor allem in den Metropolen wie Düsseldorf leiden die großen Häuser besonders, haben mir Vertreter der DEHOGA im Landtag erzählt. Keine Messen, keine großen Events: Die Hotels würden deshalb gerne eine Scheibe vom Erfolg des Niederrhein-Tourismus ab haben.

„Letztlich entscheiden die Endverbraucher, wo sie gerne übernachten möchten“, schätzt Martina Baumgärtner die Lage ein. Sie weiß, dass derzeit etwa in Düsseldorf die Übernachtungszahlen um bis zu 70 Prozent eingebrochen sind. Zuletzt ließ sich die Nachfrage nur über den Preis stimulieren. Übernachtung im Fünf-Sterne-Hotel zum Dumpingpreis: So lassen sich noch Touristen locken.

Niederrhein-Themen 2021

Im kommenden Jahr könnte das besser werden. Denn Baumgärtner und ihr Team arbeiten längst an den Themen, die die Touristen auch im kommenden Jahr an den Niederrhein locken sollen. Beim 100. Geburtstag des Künstlers Joseph Beuys, der 2021 gefeiert werden will, arbeitet man zum Beispiel eng mit den Düsseldorfern zusammen. Seine Spuren hat der Bildhauer, Zeichner und Aktionskünstler jedoch am gesamten Niederrhein hinterlassen.

Weitere Themen im nächsten Jahr: Sebastian Kneipp und der Limes. Die Grenze zwischen Römischem Reich und den Germanen soll demnächst ja Weltkulturerbe werden. Davon hatte man mir schon während meiner Sommertour im Archäologischen Park Xanten stolz berichtet und dabei frohlockt, was das für einen touristischen Schub geben könnte.

Jahrestage und immer wieder große Projekte wie die Landesgartenschau 2020 sind wichtig. Denn dadurch bekommen Touristen den Impuls, an den Niederrhein zu kommen. Mit rund 450.000 Gästen hatte die LAGA einen großen Anteil am diesjährigen Erfolg. „Gut, dass die Politik sich dafür entschieden hat, das durchzuziehen. Das war sehr gut für die Region“, meint dazu Martina Baumgärtner.

Werbung wird digitaler

Die Werbung für den Niederrhein wird in Zukunft sehr viel digitaler. Nicht nur, dass sich die Verantwortlichen aktuell fast ausschließlich digital treffen (müssen). „Es wird auch keine Kataloge mehr geben sondern Übersichtskarten, an denen man sich orientieren kann“, so Baumgärtner. So blieben die Veranstalter flexibel. Auf aktuelle Entwicklungen könne man dann besser reagieren. Auch das eine Erkenntnis aus dem Corona-Jahr.

Mit „Niederrhein to go“ gehen deutsche und niederländische Touristiker einen weiteren Schritt in Richtung Digitalisierung. Das finanziell mit INTERREG-Mitteln geförderte Projekt soll offene Daten (Open-Data) finden, sammeln und so verbinden, dass daraus ein Nutzen für Veranstalter und Gäste entsteht.

Martina Baumgärtner im Podcast

Wer nochmal ganz genau nachhören möchte, was Martina Baumgärtner zum Tourismus am Niederrhein zu sagen hat, kann in meinen aktuellen Podcast reinhören. Den kann man übrigens auch abonnieren bei Spotify und Apple Podcast sowie in allen gängigen Podcatchern…

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