Dr. Michael Kopatz ist Sozialwissenschaftler, Projektleiter beim Wuppertal Institut und Autor mehrerer Bücher. In meiner aktuellen Podcast-Folge spricht er über Klimaschutz auf kommunaler Ebene, was er als Minister im Land anpacken würde, wie man typischen Ausreden begegnet und wie wir nachhaltig leben können, ohne uns täglich mit dem Klimawandel befassen zu müssen.

Was wir wollen und was wir tun

Viele Menschen unterstützen Maßnahmen zum Klimaschutz, ändern in ihrem Privatleben selbst aber wenig. Kaum jemand ist dafür, Flughäfen auszubauen, doch geflogen wird so viel wie nie zuvor. Wir wollen weniger Autos in den Städten, sind aber nicht bereit, unser eigenes Auto abzuschaffen. Artgerechte Tierhaltung begrüßen wir alle, doch nur wenige von uns entscheiden sich beim Einkauf dafür. Ein Grill darf gerne 800 Euro kosten, darauf gegrillt werden dann aber die Würstchen zum Dumpingpreis.

Moralische Appelle helfen da wenig. Man empfindet es einfach als unfair, wenn man „allein“ auf den Flug oder das Auto verzichten oder sich anderweitig einschränken soll. Dass kann sich laut Michael Kopatz ändern, wenn wir das erwünschte Verhalten zur Routine machen.

Die Verhältnisse ändern das Verhalten

In seinem Buch Ökoroutine – Damit wir tun, was wir für richtig halten spricht der Wissenschaftler genau dieses Dilemma an. Er zeigt aber auf, wie wir nachhaltig leben können, ohne uns täglich mit dem Klimawandel oder Massentierhaltung befassen zu müssen. Sein Motto lautet: Die Verhältnisse ändern, dann ändert sich auch das Verhalten der Menschen.

Dass die Verantwortung allein bei den Konsument:innen liege (Stichwort: Du entscheidest), sei großer Unsinn. Die Konsumenten entscheiden sich nicht bewusst für Billig-Fleisch, meint Michael Kopatz. Politik verlagere mit solchen Aussagen schlicht die Verantwortung auf die Bürger:innen, dabei müssten zunächst die die Rahmenbedingungen stimmen.

Der Autor ist deshalb davon überzeugt, dass wir für Klimaschutz bei den Strukturen und nicht bei den Verbraucher:innen ansetzen müssen. In der Vergangenheit habe es bereits viele Beispiele gegeben, in denen sich umweltfreundlichere Optionen durchgesetzt haben, ohne dass die Menschen starke Auswirkungen gespürt hätten. Als Beispiel: Elektrogeräte, Häuser und Autos wurden effizienter, weil wir die gesetzlichen Standards schrittweise erhöht haben. Das ist sicher auch in anderen Bereichen möglich.

Podcast hier hören:

Das gesamte Gespräch gibt es in der aktuellen Folge meines Podcasts, den man sich beim Podcatcher der Wahl abonnieren kann – zum Beispiel bei Spotify.

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