Heinrich Lehmbrock ist Jäger und beim Hegering Lintfort-Neukirchen zuständig für den Naturschutz. Über seine Aufgaben als Jäger, den Zusammenhang zwischen Jagd und Naturschutz und wie man aus seiner Sicht den Wald am besten retten kann, spricht er anlässlich meiner Waldwoche im aktuellen Podcast.

Jäger: Schimpfwort oder neuer Trend?

In meinem Umkreis gibt es immer mehr Menschen, die einen Jagdschein machen, darunter auch viele junge Leute. Ich habe Heinrich Lehmbrock gefragt, woran das liegen könnte. „Viele Menschen möchten gerne wissen, wo ihr Fleisch herkommt“, so der Jäger. Und dafür eignet sich das Wild aus dem Wald natürlich hervorragend. Außerdem verspürten immer mehr Leute den Drang, in die Natur zu gehen und die Tiere und Pflanzen zu beobachten.

Heinrich Lehmbrock kennt aber auch die Beschimpfungen und Bedrohungen, die der Jagd und den Mitgliedern der Hegeringe entgegenschlägt. Dafür hat er wenig Verständnis, denn Jäger zu sein, bedeutet für ihn vor allem eines: Aktiv Naturschutz betreiben. Die Jagd bestehe aus weitaus mehr als am Ende „ein Stück Fleisch in der Truhe zu haben“. Die meiste Zeit verbringen die Jäger:innen damit, die Natur zu hegen, indem sie beobachten, Wildäcker ansetzen oder Biotope für die Tiere schaffen.

Naturschutz immer an erster Stelle

Heinrich Lehmbrock erzählt, dass der Hegering den Mitgliedern die Freiheit gebe, selber Naturschutzziele für ihr Revier zu formulieren. So versucht Lehmbrock, in seinem Revier in Saalhoff den Hasenbestand wieder aufzustocken. Das geschieht zum Beispiel, indem er Wildäcker einrichtet oder sich mit den Landwirt:innen abspricht, um die Felder vor der Ernte nach Jungtieren abzusuchen.

„Braucht es in dem Bereich noch mehr Partner?“ habe ich den Jäger gefragt. „Auf jeden Fall“, meint er. Jeder Naturschutzverband koche aktuell noch sein eigenes Süppchen. Dabei wäre es für die Natur als Ganzes viel besser, wenn alle zusammen und nicht gegeneinander arbeiten würden.

Wald stärker schützen

In der Corona-Pandemie sind mehr Menschen als sonst draußen unterwegs, viele davon in den Wäldern vor der eigenen Haustüre. Sieht Heinrich Lehmbrock das eher kritisch oder freut er sich über die Begeisterung für die Natur? „Beides“, gibt er zu. Einerseits freue er sich natürlich darüber, dass die Menschen die Natur wieder für sich entdecken. Dennoch müsse man die Natur respektieren und sich dafür an Regeln halten. Das heißt zum Beispiel in der aktuellen Brut- und Setzzeit den Hund an der Leine zu lassen und Rückzugsorte für Tiere zu akzeptieren.

Lehmbrock wünscht sich, dass der Wald wieder aufgeforstet und stärker geschützt wird. Dafür müssten unter anderem Jäger:innen, Forstämter und Waldbesitzer:innen enger zusammenarbeiten. Mit diesem Thema werde ich mich auch in meiner Woche des Waldes 2021 beschäftigen. Zum virtuellen Waldgipfel am 19. März 2021 ab 16.30 Uhr sind dann auch alle eingeladen, denen der Wald am Herzen liegt.

Podcast hier hören:

Das gesamte Gespräch gibt es in der aktuellen Folge meines Podcasts, den man sich beim Podcatcher der Wahl abonnieren kann – zum Beispiel bei Spotify.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.