Die Landesgartenschau 2020 in Kamp-Lintfort sollte eigentlich schon seit einem Monat geöffnet haben. Die Corona-Pandemie hat die Eröffnung gestoppt. Das war gerade zu Beginn der Lockdown-Maßnahmen der richtige Schritt. Nun, fast sechs Wochen später, wäre es genauso richtig, die Landesgartenschau mit Auflagen endlich zu eröffnen.

Keine wirtschaftlichen Gründe

Kein Argument für die Öffnung ist die wirtschaftliche Seite. Denn so oder so wird die Landesgartenschau 2020 kein finanzieller Erfolg mehr werden können. Wochen hinterher, reihenweise Absagen von Gästen, die zur Hochrisikogruppe gehören, und Großveranstaltungen auf der LAGA, die in jedem Fall abgesagt werden müssen. Diese Einnahmen fehlen in jedem Fall. Die Lücke lässt sich kaum mehr schließen und deshalb sprechen nicht wirtschaftliche Aspekte für die Eröffnung der LAGA Anfang Mai.

Mir persönlich geht es vor allem darum, den Menschen in Kamp-Lintfort und der Region eine Perspektive für die kommenden Wochen und Monate zu geben. Es wird in diesem Sommer keine weiten Urlaubsreisen geben – aus Geldmangel, wegen des Gesundheitsschutzes oder schlicht aus Angst vor Ansteckung in fremden Ländern. Selbst Urlaubsreisen innerhalb Deutschlands sind heute leider noch nicht sicher. Ferienfreizeiten, Stadtranderholung, Jugendangebote: All das wird es 2020 möglicherweise gar nicht oder kaum geben.

Nach wochenlangem „Stubenarrest“ für Kinder und ihre Eltern liegen demnächst weitere sechs Wochen Sommerferien vor vielen Familien. Was also tun? Ein 40 Hektar großes Gelände bietet jede Menge Platz, um sich allein oder im engen Familienkreis auszutoben. Ganz im Einklang mit den Empfehlungen der Experten, um Corona einzudämmen. Im Zechenpark und dem Klostergarten kann man sich aufhalten, in den Himmel blicken und das Leben genießen. Ohne andere damit zu gefährden.

Baumarkt ja, Landesgartenschau nein?

Es gibt genug wichtige und gute Auflagen, die man dabei einhalten muss und kann. Niemand kann mir dann noch erklären, dass diese Auflagen in einem Baumarkt, Supermarkt oder dem nächstgelegenen IKEA zum Wohle der Menschen funktionieren, auf dem riesigen Freigelände der Landesgartenschau dagegen nicht.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung, deren Landesgartenschau es ist, und die damit zweifach in der Verantwortung steht, muss jetzt eine Entscheidung treffen! Sie hat es alleine in der Hand, ob und wie die Landesgartenschau 2020 stattfinden wird. Gerne mit Auflagen, die in der aktuellen Corona-Lage selbstverständlich sind. So, dass kein Besucher und keine Besucherin einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Das geht und deshalb sollten wir es tun – zum Wohl der Menschen, denen heute schon die Decke auf den Kopf fällt und die ganz verantwortungsbewusst die neuen Freiheiten nutzen würden.

Stolz auf unsere Landesgartenschau

Hier könnte mein Appell enden, doch ich möchte noch einen weiteren anschließen an all jene, die sich eine ganz andere Landesgartenschau 2020 gewünscht hatten. „Die Welt zu Gast bei Freunden“, getreu dem WM-Motto von 2006 hätte ich auch gerne Menschen aus Nah und Fern in meiner Heimatstadt begrüßt, ihnen die Hand gegeben und wäre eng mit ihnen durch das wunderbare Gelände gelaufen. Ich hätte ihnen stolz gezeigt, was nur acht Jahre nach Ende des Bergbaus auf dieser Zechenfläche möglich geworden ist. Dies wird 2020 nicht möglich sein. Nicht so. Doch stolz können wir trotzdem sein: Gäste werden kommen und ihren Aufenthalt genießen. Sie werden fachkundig und mit Abstand durch die Flächen geführt werden. Die Macher der Gärten werden entsprechend gewürdigt.

Die einzige Alternative: Das 40 Hektar große Gelände müsste ein ganzes Jahr geschlossen bleiben. Weil sonst für Gäste nicht einzusehen wäre, warum man im kommenden Jahr dafür noch Eintritt zahlen sollte. Und weil der einzige Grund für eine Absage derzeit der sein könnte, dass man damit einer Ausbreitung von Corona Vorschub leisten würde. Das wäre ein Jahr ohne Zechenpark und Klostergarten, ohne richtigen Urlaub und mit wochenlangem Stubenhocken. Da ist mir die Landesgartenschau 2020 sehr viel lieber. Das jetzt durchzuziehen zum Wohle so vieler Menschen, darf uns noch mal so stolz machen.

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Die Landesgartenschau in Kamp-Lintfort ist mittlerweile eröffnet!

Tickets können Sie online kaufen oder, sobald die Pforten geöffnet sind, ganz analog am Kassenhäuschen. Die Landesgartenschau öffnet ihre Tore täglich zwischen 9 und 19 Uhr. In diesem Zeitraum sind an den Kassen Tickets erhältlich. Bis 21 Uhr können Sie auf dem Gelände verweilen.

Aufgrund des Coronavirus sind folgende Regeln zu beachten:

  • Überall im Park gilt ein Abstandsgebot von mindestens 1,5 Metern (Gäste können alleine, zu zweit oder mit Mitgliedern des eigenen Haushalts spazieren gehen oder Sport treiben)
  • In geschlossenen Räumen/Pavillons darf sich pro 10 Quadratmeter max. 1 Gast aufhalten; in der Blumenhalle max. 50 Gäste
  • Bei Erholungspausen auf Wiesen und Freiflächen gilt ein Mindestabstand von 5 Metern zu anderen Besucherinnen und Besuchern
  • In allen geschlossenen Räumen/Pavillons, in der Blumenhalle, an den Pagoden des Gärtnermarkts und im Shuttlebus ist das Tragen eines Mund-/Nasenschutzes Pflicht
  • Die Gastronomie bleibt geschlossen. Es gibt ein gastronomisches „To-Go-Angebot“. Die Speisen und Getränke dürfen außerhalb des 50-Meter-Umkreises zur Ausgabestelle auf dem LAGA-Gelände verzehrt werden
  • Abgesperrte Bereiche dürfen nicht betreten werden, Wegemarkierungen und Einbahnstraßenregelungen (KALISTO, Blumenhalle, Hausgartenbeispiele) müssen befolgt werden.

3 Kommentare zu „Landesgartenschau muss eröffnen“

  1. Nicht nur das Geschaffene für die Landesgartenschau erfüllt mich mit STOLZ, ich bin auch STOLZ auf unsere Stadt Kamp-Lintfort. Deshalb möchte ich auch einmal denen DANKE sagen, die so eine Schau aus einem Industrieboden geschaffen haben!

  2. Hans-Peter Niedzwiedz

    LaGa 2020 wird mit Auflagen an den Start gehen, wie aus der Presse zu erfahren ist.
    Die erforderlichen Auflagen einhalten zu können, das wird allerdings nicht so einfach sein, denke ich und die geplanten Programme und Highlights, mit Publikumsansammlungen, lassen sich nur mit großen Einschränkungen durchführen, oder gar nicht.
    Richtige Atmosphäre und Stimmung, die einem solchen Event erst die Würze gibt und wie es die LaGa verdient hätte, kann so nicht aufkommen.
    Ich kann es gut nachempfinden, wenn man in den vergangenen Jahren viel Geld und Zeit investiert und eine vorzügliche Location geschaffen hat, dass man das Geschaffene nun auch präsentieren möchte.
    Die Vorfreude auch bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auf die LaGa ist groß und man wartet darauf, dass es endlich losgehen kann.
    Aber Corona ist und bleibt vorerst nun mal ein unberechenbarer Virus, der höchst bedrohlich ist und noch unbesiegt ist.
    So denke ich auch, dass es besser wäre, wenn das Gelände in diesem Jahr als Park für Spaziergänger geöffnet wird und im nächsten Jahr entsprechende Unterhaltungsveranstaltungen stattfinden, bei denen sich dann gut feiern lässt.
    Hans-Peter Niedzwiedz

  3. Thorsten Gaul

    Liebe Gartenschaubesucher,
    Hier mal eine kleine Stellungnahme zum Artikel.
    Wir haben mit viel Geld, Herzblut und Zeit einen Themengarten mit dem Motto Mensch und Natur geschaffen.
    In diesem Garten hätten wir gerne mit den Besuchern und auch mit geladenen Gästen einige Veranstaltungen durchgeführt.
    Leider werden wir das wohl nicht realisieren dürfen.
    Nicht nur wir, sondern alle anderen Aussteller können ihre Planungen nicht realisieren. Lediglich ein Durchgang durch die sehr liebevoll hergestellten Gartenbeispiele wird möglich sein. Wie soll da das gewünschte und von allen erhoffte Feeling aufkommen?
    Wozu die ganze Arbeit, die die vielen ehrenamtlichen Bürger der Stadt im Vorfeld geleistet haben?
    Eine Verschiebung auf 2021,
    dann aber mit voller Begeisterung aller daran gearbeiteten Menschen wäre doch viel schöner.
    Die wirtschaftlichen Gründe mal außen vor gelassen.

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