Mikroplastik gehört verboten. Da sind wir uns alle einig, weil die zum Teil winzig kleinen Plastikpartikel zunehmend ins Wasser geraten und von dort in den menschlichen Körper. Im Landtag haben wir deshalb kurz vor den Sommerferien noch Experten nach ihren Vorschlägen befragt. Einige haben unerwartete Nebenwirkungen, denn wenn demnächst europaweit Mikroplastik in Kunstrasenplätzen verboten wird, drohen Platzsperren auch in Kamp-Lintfort, Rheinberg, Neukirchen-Vluyn, Xanten, Alpen und Sonsbeck.

Die Europäische Union möchte das in Kunstrasenplätzen verwendete Mikroplastik zurecht schnellstmöglich verbieten. Weil es besser ist für Mensch und Tier. Während die meisten Menschen bei einem Verbot von Mikroplastik vor allem an Kosmetikartikel und Abrieb von Autoreifen denken, steckt tatsächlich sehr viel mehr von dem schädlichen Zeug in den Kunstrasenplätzen der Republik. Eine Art Granulat macht die Spielfläche erst richtig beständig. Sehr viel robuster als jeden natürlichen Rasenplatz. Doch durch Niederschläge werden die Partikel nach und nach ausgewaschen. Sie landen in Flüssen und später in den Weltmeeren – und damit letztlich in unseren Nahrungsmittelkreislauf. Pro Jahr sind das 11.000 Tonnen der winzigen Partikel allein von Kunstrasenplätzen. Das ist ungefähr sieben mal so viel Mikroplastik, wie es aus Kosmetikartikeln in den Wasserkreislauf gerät.

Kein Ersatz für Mikroplastik im Kunstrasen

Ab 2022 soll deshalb das Verbot für den Stoff im Fußballplatz gelten. Danach dürfen keine neuen Kunstrasenplätze mit Mikroplastik mehr gebaut werden. Bereits bestehende müssen geschlossen oder saniert werden. Doch wie nur? Das Problem ist nämlich, dass es derzeit wohl noch keinen richtigen Ersatzstoff für das Mikroplastik im Kunstrasen gibt. Wie ich hörte, hat man Versuche mit Kork gemacht, aber der schimmelt. Viele nehmen deshalb Sand, aber das funktioniert auch nicht so richtig. Und was jetzt?

Verantwortlich für den Bau der meisten Sportplätze in Nordrhein-Westfalen sind die Städte und Gemeinden. Sie werden sich in den kommenden drei Jahren gut überlegen müssen, ob sie noch in herkömmliche Kunstrasenplätze investieren. Bestandsschutz soll es nämlich nicht geben und eine spätere Umstellung weg vom Mikroplastik kostet nach Expertenschätzung schnell mal 200.000 Euro und mehr pro Platz. Das Geld müssen die Städte und Gemeinden in die Hand nehmen, wenn sie in drei Jahren bestehende Kunstrasenplätze von Mikroplastik befreien wollen – und dann auch müssen.

Fußballplätze werden gebraucht

Ich glaube nicht, dass dafür genug Geld zur Verfügung steht. In meiner Heimatstadt Kamp-Lintfort verfügen beide großen Fußballvereine über Kunstrasenplätze, die saniert werden müssten. Aktuell soll bei Fichte Lintfort ein weiterer Platz entstehen – in konventioneller Bauweise inklusive Mikroplastik wird das aber niemand mehr in Auftrag geben wollen. Deshalb könnte sich eine Realisierung so lange verschieben, bis neue und erprobte Baustoffe ohne Mikroplastik zur Verfügung stehen. Alles andere wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll. Wenig anders sieht das sicherlich in den übrigen Städten meines Wahlkreises aus.

So wichtig das Verbot von Mikroplastik in neuen Kunstrasenplätzen auch ist: Für bereits bestehende Fußballanlagen sollte es einen Bestandsschutz geben. Denn die Plätze werden vor Ort für den Vereinssport dringend gebraucht! Von heute an gesehen wäre in vielleicht fünf bis zehn Jahren Schluss mit allen alten Anlagen. Denn sehr viel länger halten sie nicht. Die meisten würden sogar deutlich früher umweltfreundlich saniert werden können und müssen. Wo auch immer dann das Geld dafür herkommt. Und da sind wir bei meiner zentralen Forderung:

Wer bestellt, muss auch bezahlen!

Umweltschutz ist mir persönlich absolut wichtig. Ich würde mir deshalb das Verbot und den Austausch von Mikroplastik im Kunstrasen innerhalb der kommenden drei Jahre sehr wünschen. Bei geschätzt mehr als 5.000 Kunstrasenplätzen in Deutschland steht den Städten und Gemeinden jedoch nicht genug Geld zur Verfügung, um das allein zu schaffen. Für mich ein Beispiel dafür, dass man die unterste staatliche Ebene nicht allein lassen darf mit Entscheidungen, die richtigerweise auf übergeordneter Ebene getroffen werden. Wenn also EU und der Bund zurecht Mikroplastik in Fußball-Kunstrasenplätzen verbieten, um damit allen Menschen zu helfen, dann müssen sie auch gleich die dafür benötigten Investitionen finanzieren. Nur so werden Umweltschutz und – in diesem Fall – der Sport nicht gegeneinander ausgespielt.

Wir werden nach der Sommerpause im Landtag nachfragen, wie die Lage in NRW aussieht. Wie viele Kunstrasenplätze sind betroffen, welche technischen Lösungen gibt es möglicherweise schon heute und was kostet eine Sanierung in Zukunft? Danach wird man sehen müssen, woher die Städte und Gemeinden das Geld für eine umweltfreundliche Alternative bekommen…

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