Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Deshalb habe ich Einspruch eingelegt gegen den Plan, im Wickrather Feld in Kamp-Lintfort Kies abzubauen. So wie jeder andere Bürger mache ich von meinem Recht Gebrauch, dem Regionalverband Ruhr meine Meinung zu sagen. Und die ist eindeutig: Der Kiesabbau inmitten unberührter Natur muss gestoppt werden.

Kein Komplettausstieg sofort

Ich bin kein Dummkopf, der glaubt, man könnte von heute auf morgen aus dem Kiesabbau aussteigen. Nein, dafür ist der Rohstoff zu wichtig. Aber aussteigen, das müssen wir. Statt den Bedarf für die nächsten 25 Jahre einfach ungebremst fortzuschreiben, sollten wir Jahr für Jahr weniger Kies und Sand abbauen. Planen wir so, dann wird der Abbau im Wickrather Feld, der Bönninghardt oder in Millingen und Drüpt wahrscheinlich nicht mehr nötig sein.

Rohstoffbedarf kritisch prüfen und Alternativen suchen

Der Flächenhunger der Kiesindustrie kennt jedoch keine Grenzen. Für die nächsten 25 statt wie vorher nur 20 Jahre soll der Bedarf an Sand und Kies fortgeschrieben werden. Weil Kies und Sand jedoch nicht unendlich vorhanden sind, wäre es klüger, die jährliche Fördermenge nach und nach zu reduzieren. Gingen die Vorgaben von einem Rückgang von zum Beispiel 5 Prozent pro Jahr aus, müsste sich die Bauindustrie zügig nach Alternativen umsehen. Neue Baustoffe, höhere Recyclingquoten und mehr Forschung in diesem Bereich gibt es nur, wenn sich das auch lohnt.

Wer bestimmt eigentlich den Bedarf?

Ein Kritikpunkt meiner Stellungnahme an den RVR ist deshalb der Begriff „Bedarf“. Wie der ermittelt wird, dazu habe ich schon mal die Landesregierung befragt. Antwort in Kurzform: Was derzeit abgebaut wird, das ist die Nachfrage. Menge mal 25 Jahre, das ist das, was die Planer ausweisen müssen. Also egal, was die Menschen brauchen – was zählt ist, wieviel die Kiesindustrie tatsächlich abbauen möchte. Das reicht als Begründung nicht und deshalb werden die Städte Kamp-Lintfort, Alpen, Rheinberg und Neukirchen-Vluyn gemeinsam mit dem Kreis Wesel klagen.

Warum bin ich gegen neue Flächen für Kiesabbau?

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat bereits 2006 das Wickrather Feld als ungeeignet für den Abbau von Kies und Sand eingestuft. Grund: Die dafür notwendige Mächtigkeit des Rohstoffes ist nicht gegeben. Daran hat sich seitdem nichts geändert. Die schwarz-gelbe  Landesregierung plant jetzt den Wegfall sogenannter Konzentrationsflächen. Doch noch gilt: Kiesabbau soll dort stattfinden, wo der Rohstoff bereits abgebaut wird. Dies ist im Wickrather Feld nicht der Fall. Die dortige Ausweisung stellt eine neue Fläche dar, wie sie im aktuellen LEP nicht zulässig ist! Will sagen: Hier soll Kiesabbau inmitten unberührter Natur stattfinden.

Zerstörung typisch niederrheinischer Landschaften

Das Wickrather Feld ist typisch Niederrhein. Unberührt von Industrie und Abbautätigkeit, ist es ein Gebiet zur Naherholung. Sowohl für Bürger benachbarter Orte als auch für Touristen aus dem Ruhrgebiet sowie den angrenzenden Niederlanden. Eine Ausweisung zur Rohstoffgewinnung stellt deshalb einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Natur dar und führt zu einem unwiederbringlichen Verlust der dort vorhandenen Kultur- und Naturlandschaft. Das muss unbedingt verhindert werden!

Kamp-Lintfort ist leid geplagt

Die Kamp-Lintforter Bürgerinnen und Bürger haben in den vergangenen hundert Jahren unter Bergschäden und Emissionen aus dem Steinkohlenbergbau gelitten. Auch nach dem Ende des Bergbaus in Kamp-Lintfort im Jahr 2012 wird bis in alle Ewigkeit Wasser gepumpt werden müssen. Kontaminiertes Grundwasser auf dem Zechengelände muss aufwändig gereinigt werden. In unmittelbarer Nachbarschaft darf Grundwasser bis heute nicht zum Bewässern von Gemüsegärten genutzt werden. Und auch die Kokerei hat großflächig Boden kontaminiert. Hinzu kommt die jahrzehntelange Belastung durch die Deponie Eyller Berg. Auf der darf noch bis Ende 2022 Müll der höchsten Schadstoffklasse 3 abgekippt werden. Das hat Umwelt und Menschen in Kamp-Lintfort in der Vergangenheit arg belastet. Mehr muss nun wirklich nicht sein.

Jetzt Einspruch einlegen!

Noch bis zum 27. Februar 2019 kann man gegen die Kiesabbau-Pläne am Niederrhein Einspruch einlegen. Das kann jeder! Die IG Wickrather Feld hat dazu eine Vorlage erstellt. Einfach herunterladen und bis zum 27. Februar an den Regionalverband Ruhr schicken.

Meinen Einspruch gegen den Kiesabbau im Wickrather Feld findest Du hier im kompletten Wortlaut.

3 Kommentare zu „Einspruch einlegen: Rettet die niederrheinische Landschaft!“

  1. Christian Strunk

    Lieber Rene,
    nicht der Hunger der Unternehmen nach Flächen ist das Problem, sondern die große Nachfrage nach den Produkten. Die hohe Bautätigkeit für Wohnungen, Verkehrswege und Gewerbe bestimmt den Bedarf an Rohstoffen. Es werden nur Bedarfe gedeckt. Deshalb hilft die vorgeschlagene Planwirtschaft nicht.

    Aber wir sind uns einig, die Gewinnung von Kies und Sand sollte da stattfinden, wo der Eingriff möglichst gering und die Förderung sinnvoll ist. Deshalb sollten alle Verantwortungsträger miteinander reden und gemeinsam Lösungen suchen.

    Gerne bin ich dabei. Alles Gute Christian

    1. René Schneider

      Lieber Christian,

      eine Planwirtschaft wird es in jedem Fall, da die Landesregierung einen Versorgungshorizont (aktuell 20 Jahre, demnächst 25 Jahre) vorgibt und sich daraus eine Tonnage errechnet, die „planwirtschaftlich“ (wenn man es so nennen will) vom RVR festgelegt wird. Darum konkurrieren dann die Unternehmen.

      Dass wir Kies und Sand auf absehbare Zeit brauchen, habe ich immer deutlich gemacht. Über die Art, wie der Bedarf berechnet wird, und das Vorhaben, an bislang unberührten Stellen auszuweisen, – darüber müssen wir in der Tat reden! 🙂

      Herzliche Grüße
      René

  2. Christina Paulus

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich wende mich gegen die Festsetzung des Wickrather Feldes als Abgrabungsbereich Klf BSAB 2.A. Die Bezirksregierung hat bereits 2006 das Wickrather-Feld als ungeeignet eingestuft. Die Ausweisung des Wickrather Feldes als Abgrabungsbereich wird zu einem dortigen Kiesabbau und zu einem unwiederbringlichen Verlust der dort vorhandenen Kultur- und Naturlandschaft führen.

    Ich bin gegen die Ausweisung des Wickrather Feldes als Abgrabungsbereich, weil ich Kamp-Lintforterin bin und die wunderschöne niederrheinische Natur in meiner unmittelbaren Umgebung bedroht sehe.

    • Zerstörung der Filterflächen unseres Grundwassers
    • Lebensraum für Rehe, Kiebitze, Feldhasen, Fasane, Feldlerchen, Wachteln, Wacholderdrosseln und andere einheimische Tiere wird zerstört, die biologische Vielfalt weiter reduziert.
    • Die Zunahme des Verkehrs durch LKW und Baustellenfahrzeuge auf der B 510 trägt ebenfalls zur Belastung von Mensch und Natur bei. Wildwechsel wird noch mehr gefährdet
    • 2006 hat die Bezirksregierung das Vorhaben doch schon einmal abgelehnt. Die Gründe dafür haben sich doch sicher nicht plötzlich in Luft aufgelöst.
    • Freunde von mir wohnen im Wickrather Feld (Breiter Weg). Dort sitzen wir bei wunderschönem Blick auf Kopfweiden oft im Garten. Neben den allgemeinen Unannehmlichkeiten durch den Kiesabbau (Staub, Lärm, Sichtbeeinträchtigung) wären sie auch von einer erheblichen Senkung des Wasserspiegels betroffen und müßten ihren großen Garten fortan mit Leitungswasser bewässern (Zumutung!)

    • Die Ausgrabungen halte ich für Mensch und Tier für eine Zumutung. Die Zerstörung der Natur steht für uns Betroffene in keinem Verhältnis zum Nutzen. Den hat dann wohl eher die Kiesindustrie.

    • Nicht zuletzt genießen wir diese schöne Umgebung regelmäßig, indem wir zu Fuß oder mit dem Fahrrad dort unterwegs sind.

    Kamp-Lintfort ist gerade dabei auch durch die Landesgertenschau 2020 sein Image zu optimieren.
    Bitte gönnen Sie Kamp-Lintfort die Entwicklung von der häßlichen kleinen Zechenstadt zu einer schönen Stadt am Niederrhein und machen Sie das, was hier vor Ort in diese Richtung schon in hohem Maße geleistet wurde nicht direkt wieder kaputt.

    Die Natur, die Sie vorhaben zu zerstören, ist das, was man den „typischen Niederrhein“ nennt.
    Machen Sie daraus nicht irgendeine x-beliebige „Gegend“.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Christina Paulus

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