Ohne Wirtschaftsförderung geht’s nicht. Überall in NRW werben die zumeist kommunalen Ämter für ihren Standort. Manchmal tun sich mehrere von ihnen zusammen, um eine ganze Region voranzubringen. Der Soziologe Michael Kopatz vom Wuppertal Institut glaubt, dass Wirtschaftsförderung noch mehr kann. Ich hab mir sein neues Buch „Wirtschaft ist mehr!“ angeschaut.

Michael Kopatz kenne ich aus meinem Podcast. Dort hat mir der Soziologe und Umweltwissenschaftler vor einigen Monaten ein Interview gegeben. Kernthese damals: Damit wir beim Klimaschutz vorankommen, muss der Gesetzgeber Regeln aufstellen. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Es entsteht eine neue „Ökoroutine“ – passenderweise beschreibt er diese ebenfalls in einem Buch.

Jetzt also ein Blick auf die Wirtschaftsförderung, die sich nach Ansicht des Autors zu einer „Wirtschaftsförderung 4.0“ entwickeln sollte. Okay, über diesen Begriff kann man streiten und ich persönlich mag diese Buzzwords à la Version x.0 nicht. Doch inhaltlich klingt das, was Kopatz auf 328 Seiten ausführt, äußerst nachahmenswert.

Praxisbeispiele für Wirtschaftsförderung 4.0

In Pilotprojekten hat man den Fokus kommunaler Wirtschaftsförderungen mal etwas verschoben. Weg vom Blick allein auf Unternehmen. Hin zu Themen wie Klimaschutz, dem sparsamen Umgang mit Ressourcen und der Stärkung der Region(alität). Beispiele gefällig? Warum nicht mal die Regional- und Direktvermarktung stärken, indem so genannte Pop-Up-Stores in leerstehenden Ladenlokalen eröffnet werden? Dort können Firmen von vor Ort ihre Produkte anbieten.

Up-Cycling ist noch so ein Thema, das nicht nur mich im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus der Förderung von Kies und Sand umtreibt. Vor Ort lassen sich auch vermeintliche Abfälle so wiederverwenden, dass etwas Neues und Höherwertigeres herauskommt – zum Beispiel Taschen mit Kultstatus. Dass dies mehr als nur Fantasien sind, zeigt der Autor anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis. Nach der Theorie im Teil A lese ich im zweiten Teil von zig solcher Ideen und ich frage mich, inwiefern sowas auch in meinem Wahlkreis möglich wäre.

Michael Kopatz empfiehlt zum Schluss, eine landesweite Agentur zu gründen, die die Wirtschaftsförderung 4.0 bekannter macht. Die Strukturen sind letztlich da. Nur die Idee muss den Weg in die Köpfe der Verantwortlichen finden. Mit seinem Buch hat der Vordenker Kopatz einen Anfang gemacht. Gerne trage auch ich die Idee weiter und wer weiß: Vielleicht können wir nach der Landtagswahl am 15. Mai 2022 gemeinsam daran arbeiten, sie in die Fläche zu bringen.

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