Land- oder Stadtkind? Ich würde mich als Kind vom Land bezeichnen. Auch wenn der Kreis Wesel nur einen Steinwurf von größeren Städten des Ruhrgebiets entfernt ist: Ich bin mit Natur groß geworden. Und dazu zählte natürlich auch immer die Landwirtschaft. Sie ist untrennbar mit dem ländlichen Raum verbunden. Ähnlich wie das Brauchtum. Doch entgegen der weitläufigen Meinung „auf dem Land gäbe es neben der Landwirtschaft keine Arbeit“, hat unsere NRW-Industrie mittlerweile eine neue Heimat gefunden: Wirtschaft macht man auf dem Land.

Zweites industrielles Herz

Die ländlichen Räume in Nordrhein-Westfalen sind heute wichtige Industriestandorte, in denen viele Weltmarktführer für industrielle Produkte zuhause sind. Das beweist das folgende Zahlenspiel: Auf dem Land ist die gewerbliche Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten um rund 50 Prozent gewachsen. In den nicht-ländlichen Gebieten lediglich um etwa 30 Prozent. Dörfer und kleine Städte in NRW boomen. Es ist daher Zeit, dass die Landespolitik diese Entwicklung aktiv unterstützt und Antworten auf die Themen findet, die bewegen!

Land ist attraktiv

Ein Haus im Grünen, kürzere Wege zur Familie, mehr Platz für weniger Geld: Nicht erst seit der Corona-Pandemie gewinnt das Land an Attraktivität. Rund sechs Millionen Menschen, etwa ein Drittel der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen, leben aktuell auf dem Land. Das ist eine große Chance. Sie muss aber auch genutzt werden, denn bei allen Vorteilen – es gibt auch Nachteile. Schon heute ist klar, dass demografischer Wandel, Fachkräftemangel oder schlechter ÖPNV Faktoren sind, die Einfluss auf die aktuelle und künftige Wirtschaft haben. Auch aufgrund der großen Megatrends Digitalisierung und Klimawandel entstehen derzeit immer neue Vorstellungen, aber auch Fragen, wie die Zukunft der ländlichen Räume aussehen könnte.

Ungleiches ungleich behandeln

Die aktuell amtierende schwarz-gelbe Landesregierung kennt nur Ballungsräume und den ländlichen Raum. So sieht auch ihre Politik aus. Statt ungleiche Verhältnisse auch ungleich zu behandeln, werden alle Regionen über einen Kamm geschert. Dabei haben wir es in Nordrhein-Westfalen nicht mit einem ländlichen Raum, sondern mit unterschiedlichen Typen der ländlichen Entwicklung zu tun.

Wirtschaft, Mobilität, Gesundheit und Pflege: Vier Tätigkeitsschwerpunkte haben die ländlichen Regionen gemein und dennoch braucht es regionale, passgenaue Antworten statt einer vermeintlichen Lösung.

SPD stärkt Wirtschaftsstandort Land

Wie? Mit regionalen Förderprogrammen. Um Förderung passgenau statt landeseinheitlich zu organisieren, werden wir mit einem Forschungsinstitut die individuellen Förderungsbedarfe ermitteln, um Lebensqualität und Daseinsvorsorge vor Ort auch tatsächlich zu steigern. Darüber hinaus braucht es jedoch weitere Stellschrauben, damit das Landleben rund(er) läuft. Nachzulesen auch in unserem Programm zur Landtagswahl.

  • Wirtschaft: Fachkräfte sind mittlerweile mehr wert als Gold. Deshalb braucht es verschiedene Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten. Zum Beispiel eine Ausbildungsplatzgarantie und Fachkräfteprogramme. Wir wollen Hochschulen und Unternehmen im ländlichen Raum zur Fachkräftegewinnung vernetzen. Die SPD will zudem gleiche Bedingungen für Auszubildende und Studierende herstellen und Berufe attraktiver machen (bspw. in der Pflege). Das funktioniert nur mit vernünftigen Tariflöhne, mehr Mitbestimmung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  • Gesundheit und Pflege: Das Landleben muss für Familien mit Kindern, aber auch für junge und ältere Menschen attraktiv sein. Dazu gehört bezahlbarer (betreuter) Wohnraum, frühkindliche Bildung, Pflegeangebote und eine nahe Gesundheitsversorgung. Mit der SPD wird es deshalb keine Krankenhausschließungen in NRW geben.
  • Mobilität: Jung wie alt müssen gut weg- und zurückkommen. Weil der Verkehrssektor in der Zukunft einen enormen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann und muss, braucht es auch auf dem Land gute Nahverkehrskonzepte, die schnell und bezahlbar ans Ziel bringen. Der Individualverkehr wird eine Hauptsäule bleiben. Dennoch braucht es andere Lösungen, damit auf den Zweit- und Drittwagen verzichtet werden kann.

Starke Unternehmen machen unsere Dörfer und Städte stärker. Ist auch die Infrastruktur gut, wird eine Kommune richtig attraktiv. Damit es auf dem Land schön bleibt oder noch schöner wird, braucht der ländliche Raum in NRW endlich einen Modernisierungsschub.

Das wird nicht einfach, aber es braucht den Willen, es wieder richtig gut zu machen. Nicht husch-husch und nebenbei, sondern mit einer Idee davon, wo wir als Gesellschaft hinwollen. Die SPD in Nordrhein-Westfalen hat sich in ihrem Regierungsprogramm dazu viele Gedanken gemacht. Am 15. Mai 2022 hoffe ich deshalb auf eine Mehrheit meiner Partei. Damit wir zeigen können, wie es besser geht.

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