Im Jahr 2020 machten Windräder rund 24% der deutschen Stromversorgung aus: Mehr als Kohle, Erdgas oder Atomkraft. Windenergie spielt zurzeit die tragende Rolle beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Zuletzt stagnierte jedoch der Ausbau der Windenergie. Erst Mitte März 2022 veröffentlichte die Tagesschau einen Artikel, in dem stand, dass Kohlestrom die Windenergie 2021 als wichtigsten Energieträger ablöst. Gründe dafür sind u.a die auslaufende Förderung, ein windschwaches Jahr und bestehende Skepsis gegenüber Windenergie. In diesem Artikel stelle ich Windräder auf den Prüfstand:

Wie erzeugen Windräder Strom?

Um überhaupt Strom aus Wind für unseren täglichen Bedarf zu erzeugen, benötigen wir Windräder. Einfach erklärt, funktionieren Windräder wie Windmühlen. Mit dem Unterschied, dass kein Getreide gemahlen, sondern ein Generator angetrieben wird. Die Rotorenblätter eines Windrads werden durch den Wind in Bewegung gebracht. Der Rotor, das Herzstück eines Windrads, leitet die Energie weiter an einen Generator, der daraus elektrischen Strom herstellt. Angeschlossen am Stromnetz, gelangt der grüne Strom in unsere Steckdosen. Dabei ist die  Effizienz von Windrädern beispielsweise von der Windgeschwindigkeit und der Größe der Rotoren abhängig. Es gibt Windparks an Land oder auch Offshore-Windparks auf dem Meer.

Quelle: Physik – simpleclub, YouTube

Windenergie in Deutschland

2020 gab es in Deutschland 29.608 Windenergieanlagen auf dem Land, die meisten davon in Niedersachsen. Die Stromerzeugung aus Windkraft hat in Deutschland innerhalb weniger Jahre stark zugenommen. Im Jahr 2020 erzeugten die in Deutschland installierten Windenergieanlagen rund 133 Terawattstunden Strom. Zum Vergleich: Ein Terrawatt deckt den Strombedarf von 250.000 Vier-Personen-Haushalten für rund ein Jahr. Der Anteil der Windkraft an der gesamten Bruttostromerzeugung beträgt somit rund 24 Prozent. 2021 wurden 112 Terrawattstunden Strom durch Windenergie erzeugt, das entspricht 23% der Nettostromerzeugung. 2021 war laut Strom Report ein eher windschwaches Land.

Quelle: https://strom-report.de/strom/#strommix-2021-deutschland

Kurzer Exkurs: Geschichte des Windrads

Das erste Windrad zur Energieerzeugung entwickelte der dänische Physiker Poul La Cour. Er ließ bereits 1891 eine ganze Schule mit windgewonnenem Strom versorgen. Am 24. August 1987 ging in Deutschland der erste Windpark ans Stromnetz, in der Gemeinde Kaiser-Wilhelm-Koog in Schleswig-Holstein. Der Windpark versorgte, aus heutiger Sicht, läppische 400 Haushalte. Heutzutage kann ein Windrad laut dem Bundesverband WindEnergie 2.000-3.500 Haushalte mit Strom versorgen.

Genauso lange wie der schleswig-holsteinische Windkraftpark schon existiert, gibt es Kritik an Windrädern. So wurden zuletzt die Auflagen und Genehmigungsverfahren auch in NRW vor immer höhere bürokratische Hürden gestellt. Gegner:innen der Windenergie sind davon überzeugt, dass ein positiver Kosten-Nutzen-Effekt erneuerbarer Energien, insbesondere Windräder, nicht endgültig bewiesen werden könne.

Windräder: Das Für und Wider abwägen

Landschaftsveränderung

Windräder verändern das gewohnte Landschaftsbild. Sie werden auf Grund ihrer Höhe und des Schattenwurfs als negativ wahrgenommen. Dabei handelt es sich jedoch mehr um eine ästhetische Präferenz, als um einen wissenschaftlich haltbaren Vorwurf.

Das Umweltbundesamt bestätigt, dass Lichtemissionen wie Schattenwurf und der sogenannte Diskoeffekt (Lichtreflexionen durch die Rotorblätter) heute keine Probleme mehr darstellen. Windräder ständen heute so weit weg von Bebauungen, dass ihr Schattenwurf kein Wohngebäude treffe. Der Diskoeffekt wird durch das Anstreichen der Windräder mit matten Farben verhindert.

Ein Windrad benötigt gemäß Bundesverband WindEnergie 0,4 bis 1 Hektar Standplatz, abhängig vom Anlagentyp und der Standortbeschaffenheit. Nur ein Teil dieser Fläche werde während des Betriebs offengehalten. Im Vergleich: Braunkohle verbraucht täglich 7,5 Hektar Fläche! Wenn auf nur rund zwei Prozent der Fläche Deutschlands Windräder ständen, könnte der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf 80 Prozent erhöht werden. So oder so stellen Windräder aber einen Eingriff in die Landschaft und die Natur dar. Standorte müssen deshalb unter Beteiligung der Bürger:innen sorgfältig ausgewählt werden, beispielsweise an bereits vorbelasteten Flächen.

Lärmbelästigung

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Lärmbelästigung durch Windräder, die vor allem jene betrifft, die nah an den Anlagen wohnen. Vor allem nachts, wenn sich die Windräder weiterdrehen, können diese als störend empfunden werden. Technische Weiterentwicklungen konnten diese Beeinträchtigungen jedoch gemäß dem Umweltbundesamt bereits deutlich reduzieren.

Es hält sich das Vorurteil, dass der von Windrädern ausgehende Infraschall krank mache. Das BMWK schreibt dazu: Die Intensität des Infraschalls von Windenergieanlagen sei so gering, dass sie deutlich unter der menschlichen Wahrnehmbarkeitsgrenze liege. In den meisten Fällen überdecken andere natürliche Geräusche den Infraschall. Wissenschaftliche Studien haben bislang keinen Nachweis erbracht, dass der Infraschall eine schädliche Wirkung auf die menschliche Gesundheit hat (vgl. dazu auch diesen Bericht des Umweltbundesamtes).

Artenschutz

Jährlich sterben zwischen 10.000 und 100.000 Vögel durch Windenergieanlagen. Gegner:innen vertreten daher die Meinung, dass Windräder negative Auswirkungen auf die Populationsentwicklung bedrohter Arten haben könnten.

Die meisten Tierarten stören sich laut Umweltbundesamt nicht an Windenergieanlagen. Besondere Rücksicht müsse man aber auf Vögel und Fledermäuse nehmen. Dennoch muss man die Zahl der getöteten Vögel in Relation stellen. In Deutschland sterben jedes Jahr schätzungsweise um die 100 Millionen Vögel bei der Kollision mit Fensterscheiben sowie 70 Millionen im Straßen- und Bahnverkehr. Vergleicht man diese Zahlen, scheinen Hochhäuser und Zugverkehr für Vögel deutlich gefährlicher zu sein als Windräder.

Das Bundesamt für Naturschutz ist sich sicher, dass sich die Beeinträchtigung für Vögel durch Windräder an geeigneten Standorten minimieren ließe. Auch der Naturschutzbund gibt auf seiner Homepage Hilfestellungen für einen naturverträglichen Ausbau der Windenergie.

CO² – Ausstoß

Gegner:innen von Windenergie bezweifeln, dass Windräder einen nennenswerten Beitrag zur Reduktion von CO² leisten, da allein die Herstellung sehr energieintensiv und mit einem hohen CO²-Ausstoß verbunden wäre. Das BMWK widerlegt diese These in ihrem Faktencheck: „Eine Windenergieanlage hat nach etwa drei bis sechs Monaten schon so viel Energie erzeugt, wie für ihren Bau, den Betrieb und ihren Rückbau benötigt wird.“ Danach lieferten Windräder durchschnittlich mindestens 20 Jahre lang sauberen Strom.

Versorgungssicherheit

Erneuerbaren Energien wird oftmals ihre schlechte Planbarkeit vorgeworfen, da Wind und Sonne nicht einfach ein- oder ausgeschaltet werden können. Wind ist ein unendlicher Rohstoff, der jedoch durch das Wetter natürlichen Schwankungen ausgesetzt ist. Um den gewonnenen Strom trotzdem immer nutzen zu können, bedarf es verschiedener Speichertechnologien. Auch eine stärkere Kooperation zwischen den Ländern der EU könnte Engpässe in der Stromversorgung verhindern.

Durch den Bedarf an Gas und Öl macht sich Deutschland abhängig von Importen. Das kann zum Problem werden, wenn es die Handlungsspielräume in globalen Konflikten wie dem Ukraine-Krieg einschränkt. Durch Windräder wird Deutschland nicht nur unabhängiger, sondern kann als Technologiestandort vom Export grüner Energie profitieren. 

Windräder: Vorteile überwiegen

Letztendlich überwiegen die Vorteile: Windräder werden immer moderner und räumen alte Kritikpunkte heutzutage größtenteils aus. Windenergie spart tonnenweise Treibhausgase ein, was angesichts unserer Klimaschutzziele dringend notwendig ist. Die Energiewende und der Klimaschutz sind eine Chance für Deutschland und NRW zum Technologiestandort für grüne Energie zu werden. Windenergie könnte den Ländlichen Raum zusätzlich stärken durch Arbeitsplätze und Gewinnbeteiligungen der Bürger:innen.

Die SPD in Nordrhein-Westfalen will den Klimaschutz zum Gewinn für alle machen. Um Widerstände aufzulösen und bessere Lebensbedingungen für alle zu schaffen, wollen wir die Bevölkerung an den Gewinnen aus erneuerbarer Energie beteiligen. Das steht so in unserem Regierungsprogramm. Zum Beispiel soll die Bevölkerung in der Nähe von Windenergieanlagen von vergünstigten Strompreisen profitieren oder sich finanziell an den Anlagen beteiligen können. So schaffen wir es, dass Nordrhein-Westfalen seinen angemessenen Beitrag zu den bundesweit angestrebten zwei Prozent des Bundesgebietes für Windstrom bereitstellt, sei es in Wirtschaftswäldern oder durch Aufhebung der derzeitigen starren Abstandsflächen.

Das Windrad braucht jetzt dringend frischen Wind!

In meiner Blogreihe zu der Frage Wie umweltfreundlich ist die Energiewende? habe ich mich bereits mit den Themen Elektromobilität und Solarenergie befasst.

2 Kommentare zu „Wie umweltfreundlich sind Windräder?“

  1. Es wird 2023 interessant werden, wenn die 13,4% permanente Kernenergie von demJahr 2020 nicht mehr vorhanden ist.
    Dann werden die 13,4% der Kernenergie rechnerisch auf die übrig gebliebenen Energiearten aufgeteilt.
    Eine Flaute wie im Jahr 2021 und die Spitzenlastkraftwerke verbraten wieder das Erdgas wie letztes Jahr und lehren dann wieder die Speicher. Die Preise von Strom und Erdgas zogen im Herbst 2021 an, die Kündigungen der Tarife erfolgte im Dezember 2021. Die Steuer wurde von der Regierung erhöht ( CO2 – Steuer) das bedeutet auch die SPD deht an der Belastungsschraube der Bürger zu Lasten der Menschen. Nicht gerade Sozial. Erst nehmen und dann einen Teil geben.
    Der Bürokratische Aufwand kostet nur Steuergeld.Sollte man direkt wieder abschaffen die CO2 -Steuer , spart man sich den ganzen HickHack.

    Gehe gehe davon aus das ich wie bisher keine weiteren Antworten bekomme.
    Mit freundlichen Grüßen von Mir und bleiben Sie Gesund.

    1. Hannah Bollig

      Sehr geehrter Herr Brauer,

      wir versuchen immer auf alle Kommentare zu antworten. Bezogen auf dieses Thema haben Sie aber keine Frage gestellt.
      Die Abkehr von der Kernenergie wird sicherlich eine Herausforderung, die wir aber meistern müssen.
      Die CO2-Steuer ist angesichts der Klimakrise ein notwendiges Mittel. Angesichts der steigenden Energiepreise ist es umso wichtiger, dass wir die erneuerbaren Energien massiv ausbauen. Das wird dann auch günstiger für die Bürgerinnen und Bürger.

      Herzliche Grüße und bleiben Sie auch gesund.

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