„Wo sollen künftig Windräder stehen?“, diese Frage will die Gemeinde Alpen derzeit klären. Dafür plant sie so genannte Konzentrationszonen. In der Endauswahl stehen Flächen in Winnenthal, Veen und auf der Bönninghardt. Vor allem Windräder im Wald der Bönninghardt erregen jetzt den Widerstand der Bürger:innen, die sich fragen: Was passiert da eigentlich gerade? Hier lesen Sie die Antworten.

Warum Konzentrationszonen für Windräder?

Um die Energiewende weg vom Atomstrom hin zu erneuerbaren Energien zu schaffen, braucht es Solar- und Windkraft. Deshalb entstehen seit Jahren immer neue Windräder. Nachbarn der Anlagen finden das nicht schön und wünschen sich die Kolosse weit draußen auf hoher See. Problem: Der Strom muss dann von dort quer durch die Republik geführt werden. Zum Beispiel auf Stromtrassen wie Amprion A, die ebenfalls auf wenig Gegenliebe vor Ort stoßen.

Deshalb kommen wir an neuen Windrädern auch am Niederrhein nicht vorbei. Aber sie sollen nicht überall stehen. Es gibt Abstandsregeln, die einzuhalten sind. Schaut man sich diese an, dann weiß man, wo Windräder in einer Stadt oder Gemeinde generell stehen dürften. Zusätzlich kann der jeweilige Ort „Windkonzentrationsflächen“ ausweisen. Damit konzentriert – wie der Name schon sagt – die Kommune den Bau von Windrädern an einigen wenigen Standorten. Das ist gut und diesen Schritt will auch die Gemeinde Alpen gehen.

Wohin mit Konzentrationszonen in Alpen?

Mehrere Jahre und einige Gutachten hat es gekostet, bis die Gemeinde Alpen einen Plan fertig hatte. An drei Standorten sollen künftig Windräder entstehen dürfen:

  • Veen-West
  • Winnenthal
  • Bönninghardt
Das ist der Plan: An den grün markierten Stellen würde der Bau von Windkraftanlagen erlaubt.

Warum protestieren die Bürger:innen?

Viele Menschen, die an den geplanten Konzentrationsflächen wohnen, gehen derzeit auf die Barrikaden. So zum Beispiel die „Bürgerinitiative Gegenwind Winnenthal“ (Link auf Facebook-Seite). Sie fürchtet diverse Einschränkungen durch die geplanten bis zu 200 Meter hohen Anlagen. Wie das aussehen könnte, hat der mögliche Investor der Anlagen in Winnenthal auf der eigenen Homepage dokumentiert. Dabei konnten viele Befürchtungen meines Erachtens ausgeräumt werden. Moderne Windräder schalten sich nämlich beispielsweise ab, wenn der Schattenwurf zu extrem wird.

Auf der Bönninghardt kommt ein weiterer Punkt dazu, warum sich die Anwohner:innen gegen die Windräder stemmen. Dort sollen insgesamt vier Windräder mitten im Wald gebaut werden. Windanlagen im Wald sind an und für sich nicht schlecht. Damit könnten zum Beispiel im Sauerland Flächen genutzt werden, die durch Stürme und Borkenkäfer dahin gerafft wurden. Auf der Bönninghardt dagegen reden wir über intakten Wald, der auf mehreren Hektar Fläche gerodet werden müsste. Und das, wo die Gemeinde Alpen nur hier ein größeres zusammenhängendes Waldstück hat. Der NABU-Landesverband NRW hat im April 2021 Position bezogen und plädiert in einem umfangreichen Papier zur Windkraft u.a. für ein „generelles Verbot von Windenergieanlagen im Wald“.

Warum beeilt sich die Gemeinde Alpen so?

Zeitlich kommt die Gemeinde Alpen langsam unter Druck. Sie hat viel Geld und Arbeit investiert, um einen rechtssicheren Plan aufzulegen. All die Mühe ist aber vergebens, wenn jetzt ein neues Gesetz auf Landesebene inkraft tritt. Im aktuell diskutierten Entwurf verschärfen CDU und FDP noch einmal die Abstandsregeln. Damit wäre eine neue Rechtsbasis geschaffen und der aktuell vorliegende Plan der Gemeindeverwaltung hinfällig. Das wäre für niemanden gut, denn nur die Konzentrationsflächen garantieren, dass nicht überall dort Windräder gebaut werden, wo es landesrechtlich möglich ist. Darum appelliert auch Alpens Bürgermeister Thomas Ahls (CDU) in einem Offenen Brief, das Verfahren nun schnell zum Abschluss zu bringen.

Wer entscheidet über Konzentrationsflächen?

Der Gemeinderat hat – zurecht wie ich finde – die Planungen angestoßen. Der Regionalverband Ruhr (RVR) als Aufsichtsbehörde hat seine Genehmigung erteilt. Jetzt liegt es letztlich wieder am Gemeinderat, den Plan auch zu verabschieden. Aus meiner Sicht muss sie dabei nicht alle drei Flächen ausweisen. Es reicht auch eine dieser Flächen, um zu verhindern, dass überall (wo landesrechtlich zulässig) in Alpen Windräder gebaut werden können. Gesetzgeber und Gerichte achten zwar darauf, dass mit der Ausweisung von Konzentrationszonen keine „Verhinderungsplanung“ betrieben wird. Aber eine prozentuale Mindestgröße verglichen mit der Gesamt-Gemeindefläche gibt es nicht. Kann es auch gar nicht, weil landesrechtliche Einschränkungen dazu führen können, dass in manchen Orten überhaupt nur sehr wenige Flächen für Windräder zur Verfügung stehen.

Für die Alpener Bürgerinitiativen ist dies sicherlich ein Lichtblick. Allerdings finde ich, dass es gute Gründe braucht, eine Konzentrationsfläche abzulehnen. Denn wir brauchen Wind- und Sonnenenergie. Auch hier am Niederrhein!

Update am 3. Juni 2021: Ergänzt um den Link auf das Positionspapier vom NABU NRW zu „Artenschutz und Windenergie“.

2 Kommentare zu „Windräder in Alpen: Was passiert da?“

  1. Kohl Karl-Heinz

    Hallo René, vielen Dank für die Darstellung und die Erläuterungen. Wir müssen das auch mehr öffentlich machen. Nochmals herzlichen Dank.

  2. Danke für die Erläuterung. Ich wohne noch nicht lange hier und habe bisher nur sehr unsachliche Kommentare zu dem Thema gelesen.

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