Die Luca App zur Nachverfolgung von Kontakten scheint zurzeit das Gesprächsthema schlechthin zu sein. Das mag an dem Künstler SMUDO liegen, der in das Programm investiert hat und nun mit seiner Prominenz bekannt macht. Doch auch ohne diese Marketing-Macht steht für mich fest: Diese App gehört auf jedes Smartphone und damit auch in jedes Gesundheitsamt in Deutschland. Weil sie uns zurück zur Normalität führt.

Schön wäre es gewesen, wenn die Corona-Warn-App eine ordentliche Kontaktverfolgung ermöglichen würde. Nachdem zig Millionen Euro in die Entwicklung geflossen sind, hätte man mit einem Update rechnen dürfen. Kommt (noch) nicht, ist aber auch egal, weil eine private Initiative eine gute Alternative entwickelt hat: die Luca App.

Quasi aus Gründen der Selbsterhaltung haben sich Künstler:innen überlegt, wie der Weg der Kultur aus der Krise aussehen kann. Wie werden Live-Veranstaltungen wieder möglich? Eine Frage, die auch Kulturschaffende in meinem Wahlkreis brennend interessiert. Ein Teil der Lösung: Eine einfach zu handhabende, kostenlose App könnte anonymisierte Kontaktdaten aufnehmen und sie datenschutzkonform speichern. Sollten bei einer Veranstaltung Infektionsfälle auftreten, würden die Daten ans zuständige Gesundheitsamt übermittelt. Die lückenlose Kontaktverfolgung damit sichergestellt.

Klingt einfach, ist es aber nicht. Bis einige Kulturschaffende und Investoren um SMUDO kamen und es einfach machten. Jetzt ist sie da, die Luca App. Ich habe sie mir kostenlos aufs Handy geladen und mich angemeldet. Das funktioniert ganz einfach und via SMS bestätigt man die eigene Identität.

Als Bürger im Kreis Wesel gucke ich aktuell (Stand: 1. März 2021) jedoch noch in die Röhre. Der Grund: Das Gesundheitsamt meines Heimatkreises arbeitet noch nicht mit der App zusammen. Warum, kann mir keiner erklären. Zu kompliziert kann es jedenfalls nicht sein, denn die Luca App verbindet sich auf Wunsch nahtlos mit der Software SORMAS, die alle Ämter zur Kontaktnachverfolgung nutzen sollten.

Mit Luca App „vor die Lage“ kommen

Behörden sprechen gerne davon, dass sie „vor die Lage“ kommen möchten. Damit wollen sie sagen, dass sie nicht mehr länger reagieren sondern agieren wollen. Im Moment sind wir davon weit entfernt. Inzidenzzahlen von 50 (Infizierten je 100.000 Einwohnern) bzw. 35 wegen der mutierten Virus-Variante gelten als nötig, damit die Gesundheitsämter überhaupt noch Kontakte von angesteckten Menschen nachverfolgen können. Anfang März 2021, als ich diesen Blog-Artikel schreibe, liegt die deutschlandweite Inzidenz bei 64. Dennoch diskutieren wir über Lockerung des Lockdowns, weil Kultur, Gastronomie und Einzelhandel wirtschaftlich am Stock gehen.

Wie sollen die Behörden also „vor die Lage“ kommen, wenn sie sich nicht digitaler Technik bedienen? Wie sollen Kulturschaffende, Ladenbesitzer und Gastronomen (um nur mal drei Beispiele zu nennen) wieder aktiv werden, wenn das mit der Kontaktverfolgung nicht sicher geklärt ist? Diese Frage hätte längst beantwortet werden können, ja müssen. Denn die Friseure in NRW dürfen beispielsweise ab 1. März 2021 wieder öffnen. Dort liegen dann Zettel und desinfizierte Stifte aus, mit denen man Namen und Adresse hinterlassen soll. Im Infektionsfall werden diese wahrscheinlich zum Gesundheitsamt gefaxt. Die Faxe werden ausgewertet – werktags von…

Ich will hier gar nicht ironisieren sondern lieber appellieren: Liebe Gesundheitsämter, arbeitet mit der Luca App zusammen. Liebe Unternehmer:innen, macht die Luca App zu eurem Standard, weil sie einfach zu bedienen und für euch und eure Kund:innen kostenlos ist. Liebe Menschen da draußen, ladet euch diese App herunter und nutzt sie. Kontaktlos. Sicher.

Es ist wichtig, dass eine App – und ich meine, Luca eignet sich dafür am besten – zum Standard wird. Weil ich sonst wieder für jeden Ort eine andere Anwendung herunterladen muss. Das ist wie mit WhatsApp, Telegram und Signal: einfach lästig.

Das Ziel ist klar. Wir alle wollen möglichst bald wieder normal Kulturveranstaltungen, Einkaufsläden und Restaurants so wie viele weitere Einrichtungen, die jetzt noch geschlossen haben müssen, nutzen. Eine effektive Kontaktnachverfolgung ist nicht die einzige Voraussetzung dafür – aber eine wesentliche!

Update-Hinweis: Danke an meinen ehemaligen Landtagskollegen Lukas Lamla, der auf die Rolle von SMUDO als Investor hinwies. Diesen Hinweis habe ich im Text aufgenommen. Der CCC äußert sich kritisch zur LUCA-App. Eine anders lautende Passage habe ich deshalb im Text entfernt.

4 Kommentare zu „Luca App muss Standard werden“

  1. An sich ein schöner Text. Die Kontaktverfolgung per App finde ich auch sinnvoll. Welche Kriterien des CCC erfüllt die Ap denn nicht?

  2. Bei der Luca App stimmt so einiges nicht – der fehlende offener Quellcode ist da noch harmlos. culture4life hat Urheberrechtsverletzungen begangen, GPL-Lizenzen falsch verwendet, der Umgang mit Verschlüsselung von Daten und Datenschutz im allgemeinen ist katastrophal. Die Gelder, die von den Ländern für Lizenzen ausgegeben wurden hätte man sinnvoller einsetzen können. Das Marketing und die PR ist das einzig gute an der App.
    Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Die-Luca-App-Dilettantisch-und-sinnlos-6007111.html

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