Vor allem kleine Brauereien in NRW brauchen derzeit Unterstützung. Denn das Fassbier-Geschäft ist im vergangenen Jahr komplett eingebrochen. Bei den Corona-Hilfen gehen die vielen kleinen Anbieter zudem leer aus. Wie bei den Kulturschaffenden müssen wir deshalb genauer hinschauen und helfen.

Die SPD-Landtagsfraktion macht deshalb den Vorschlag, über drei Jahre auf die Biersteuer zu verzichten und den kleinen Brauereien diese zu erlassen. Das kostet das Land rund 20 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der NRW-Rettungsschirm hat ein Volumen von 25 Milliarden Euro.

Brauereien im Kreis Wesel

Allein in meinem Wahlkreis gibt es zwei erfolgreiche kleinere Brauereien. Beide besuche ich, um herauszubekommen, wo es im Moment am meisten hakt. Ja, ich weiß: Die Brauereien sind nicht die einzigen, die derzeit aufgrund von Pandemie und Lockdown Existenzsorgen haben. Nur irgendwo muss man beginnen und nach der Kultur schaue ich in der kommenden Woche auch in Richtung Handel. Denn meist sind es die Nischen und kleinen Unternehmen, die durch den Rost fallen. Darum will ich genau hinschauen.

In Nordrhein-Westfalen gibt es rund 150 Brauereien. Mit der Brauerei Geilings in Kamp-Lintfort und dem Brauprojekt 777 in Voerde kommen allein zwei davon aus meinem Wahlkreis. Durch den Lockdown ist das Fassbier-Geschäft, von dem vor allem viele kleine Brauereien leben, um rund 50 Prozent eingebrochen. Ein Trend, der aus meiner Sicht anhalten wird. Theoretisch steht den Betrieben Corona-Hilfe zu. Der Haken: Dafür müssten diese Brauereien 80 Prozent ihres Geschäftes mit der Gastronomie machen. Das tun die wenigsten.

Auch die Brauerei Geilings muss auf Corona-Hilfen verzichten. Ihre Flaschenabfüllungen verkauft sie zunehmend über Getränkemärkte und den Lebensmitteleinzelhandel. Der Verkauf dort hat 2020 sogar noch angezogen, weil man in der Pandemie nach neuen Absatzmöglichkeiten gesucht hat. Das wird jetzt zum Nachteil – zumindest was die Chance angeht, staatliche Unterstützung zu erhalten. Der Verzicht auf die Biersteuer für Brauereien, die bis zu 200.000 Hektoliter Bier im Jahr brauen, kann die offensichtliche Lücke schließen.

Ausbildungssicherungsgeld statt Steuer

Bei 6-7 Euro pro gebrautem Hektoliter Bier reichte die eingesparte Biersteuer bei Geilings Bräu dafür, einen weiteren Auszubildenden einzustellen. „Derzeit überlege ich, ob ich das in der Krise sonst stemmen kann. Wenn die monatliche Abbuchung der Steuer wegfiele, könnte ich das eins-zu-eins in die Ausbildung stecken“, sagte mir Braumeister Johannes Lehmbrock bei meinem Besuch auf dem Geilings-Hof. Für ihn würde die Ersparnis zu einem „Ausbildungssicherungsgeld“.

NRW ohne regionale Biere?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich genieße ganz oft den Blick ins Spezialitätenregal meines Getränkemarkts. Die Auswahl an Bieren – nicht nur – aus NRW ist großartig. Vor allem die kleinen Brauereien bestechen durch ihre neuen Ideen und den Mut, auch mal Ungewöhnliches auszuprobieren. Schade, wenn diese Vielfalt sterben würde. Darum würde ich mir wünsche, dass ein kleiner Schluck aus der prall gefüllten Coronahilfen-Pulle den Durst unserer kleinen Brauereien in NRW stillen würde.

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