Den Neustart nach Corona sehnen viele Menschen herbei. Den Tag, an dem du morgens die Augen öffnest und alles ist wieder so wie früher. Ich fände das schade, denn Corona eröffnet uns eine einmalige Chance: Der Lockdown hat die Uhren weltweit zurückgedreht und nicht nur die Natur zurück auf Werkeinstellung gestellt. Diese weltweite Gleichzeitigkeit sollten wir nutzen, um jetzt neue Wege einzuschlagen.

Zurück auf Werkeinstellung heißt zum Beispiel bei Handys, dass sie in eine Art Urzustand zurückversetzt sind. Es ist alles da, damit das Gerät funktioniert. Was fehlt sind nutzlose Apps, Datenmüll aller Art sowie zigtausend Fotos, von denen man selbst nicht mehr wusste, dass man sie irgendwann mal geschossen hatte. Aber auch die eine oder andere wichtige persönliche Einstellung ist flöten gegangen. Nützliche Apps müssen nun neu installiert werden. Bei jedem dieser Schritte frage ich mich dann: Muss das, oder ist es ohne nicht viel besser?

Du entscheidest, was wiederkommt

Beim Neustart nach Corona verhält es sich so ähnlich: Plötzlich ist vieles nicht mehr da. Einiges davon vermisst man. Bei anderen Dingen sind wir uns sicher, dass wir sie gar nicht zurückhaben wollen. Wir müssen deshalb die Chance nutzen, selbstbestimmt zu entscheiden, welche Dinge und Gewohnheiten wir nach Corona wiederhaben möchten – und auf welche wir konkret verzichten wollen. Dazu ein paar persönliche Gedanken.

Die Natur kämpft sich zurück. Das ist mein Eindruck, wenn ich in letzter Zeit durch den Wald laufe. Bereits in den ersten Tagen des Lockdowns zeigte sich beim nachmittäglichen Lauf ein Reh mitten auf dem Hauptweg der Leucht, einem Wald in meiner Heimatstadt Kamp-Lintfort. Erst wenige Meter bevor ich es erreichte, lief es davon. Ohne Hektik und mit wenig Scheu.

Wochen später beobachtete ich einen Vogel, den ich noch nie zuvor live gesehen hatte: einen Stieglitz. Den musste ich erstmal googeln! Schwalben am Himmel, nistende Kohlmeisen an unserem Haus und unbekanntes Vogelgezwitscher: Das möchte ich nicht nur in Erinnerung behalten.

Neustart bietet Chance für Klimaschutz

Vor Corona war Klimaschutz das Top-Thema. Verdrängt ist es nun von der Diskussion um Stand und Folgen der Pandemie. Dabei sollten wir beides zusammen denken. Der Neustart gibt uns die Chance, auch für den Klima- und Umweltschutz einen großen Wurf zu wagen.

Bislang hieß es immer: „Wenn wir das machen, geht es mit unserer Wirtschaft den Bach herunter und alle anderen überholen uns.“ Das Virus hat weltweit und gleichzeitig einfach den Stecker gezogen und überall die Wirtschaft auf Werkeinstellung zurück gesetzt. Alle Länder stehen jetzt vor dem gleichen, leeren Betriebssystem und können sich entscheiden, wie es nun weitergeht.

Meine Sorge ist, dass es nun mit Vollgas zurück in eine industrielle Steinzeit gehen könnte. Nach dem Motto: Pfeifen wir auf die Umwelt, Hauptsache das Wirtschaftswachstum stimmt. Man könnte uns vor die Wahl „Umweltschutz oder Wohlstand“ stellen, um damit neuen Raubbau an der Natur zu begründen. Dabei ginge es nach dem Neustart ganz anders: Wohlstand durch Umweltschutz, sollte die Parole lauten. Wobei ich gleichzeitig dazu gerne die Definition von „Wohlstand“ diskutieren würde.

Nach Corona und eigentlich schon immer besteht Wohlstand nicht allein im Anhäufen von Eigentum und Geld. Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig Gesundheit für alle ist. Sie hat gezeigt, wie wertvoll Zeit mit der Familie, ein sicheres Einkommen und die Natur vor der eigenen Haustüre sind.

Wir haben nach Corona die Chance, in diesem Sinne ganz neu zu starten. Nutzen wir sie!

2 Kommentare zu „Neustart nach Corona: Alles zurück auf Werkeinstellung!“

  1. Hi René,

    ich wünsche mir schon, dass einige Änderungen der letzten Wochen erhalten bleiben.

    Zum Stichwort Umwelt fällt mir dazu ein, dass sich vielleicht mal die Erkenntnis durchsetzt, dass man nicht immer für eine einstündige Besprechung mehrere hundert Kilometer fahren muss. Das geht doch prima per Video- oder Telefonkonferenz. Das hat in den letzten Wochen prima geklappt, hier könnte man nachhaltig die Umwelt schonen uns für die Arbeitgeber wäre es auch noch eine riesige Ersparnis.

    Ebenso merken aktuell vielleicht viele Arbeitgeber, was im Homeoffice alles machbar ist. Auch hier spielt der Umweltgedanke eine Rolle. Viele Arbeitnehmer müssen nicht jeden Tag pendeln, und mit dem Auto die Umwelt verpesten – es geht vieles auch aus dem Homeoffice. Klar, 100% wie zur Zeit des Lockdowns sind illusorisch und auch nicht wünschenwert. Aber Regelungen mit 30-50% Homeoffice wäre bei vielen Jobs denkbar. Pfiffige Firmen könnten das sogar für das eigene Marketing in Sachen Umweltschutz nutzen.

    Auch sonst muss ich sagen, ich habe die letzten Wochen auch ein wenig genossen. Es war alles viel ruhiger, viele Menschen waren auch entspannter (außer natürlich die berufsempörten Zeitgenossen). Und wir haben die Heimat, bei uns das schöne Ruhrgebiet rund um Mülheim, wieder ein wenig mehr für uns entdeckt. Zwischen unseren vielen Reisen in den letzten Jahren ist das ein wenig zu kurz gekommen. In den letzten Wochen aber waren wir nach Feierabend jeden Tag mit dem Rad unterwegs oder sind ein wenig spazieren gegangen. Das werden wir nach Corona auch so beibehalten. Jeden Tag 1-2 Stunden Zeit nehmen, die Gegend erkunden, kein Internet, kein Telefon, einfach mal abschalten.

    LG Thomas

    1. René Schneider

      Lieber Thomas,

      Du sprichst mir aus der Seele: Videokonferenzen statt lästiger Präsenzsitzungen gefallen mir auch sehr gut. Zumal ich das Gefühl habe, dass manche „Laberköpfe“ online stiller sind und die Sitzungen deshalb zügiger gehen. Von der Umwelt und der gesparten Reisezeit mal ganz zu schweigen.

      Das mit der Natur um uns herum geht mir auch so. Ich komme regelmäßig raus und bin deshalb ganz braun geworden. Denken alle, ich liege den ganzen Tag in der Sonnenliege. Dabei reicht schon eine aktive Mittagspause oder ein Spaziergang am Abend. Das möchte ich mir ebenfalls gerne bewahren!

      Liebe Grüße und bleibt gesund
      René

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