Ramadan, das ist der Fastenmonat der Muslime. 29 bzw. 30 Tage lang wird zwischen Sonnenaufgang und -untergang auf Essen und Trinken verzichtet. Die Zeit des Fastenmonats verschiebt sich dabei von Jahr zu Jahr, da er nach dem Mondkalender berechnet wird. Vor Jahren noch mitten im Sommer findet der Ramadan 2019 vom 5. Mai bis 3. Juni statt. Für mich als Christ sind die sieben Wochen Fastenzeit schon etwas ganz Besonderes. Doch das, was die Muslime einen Monat lang voller Überzeugung tun, schweißt Familien und Freunde enger zusammen.

Ramadan ist ein Fest für Familie und Freunde

Ehepaar Karaca
Das Ehepaar Karaca hat eingeladen: Neben mir sind die beiden Söhne sowie das befreundete Ehepaar Altuntas dabei.

Seit Sonnenaufgang haben sie verzichtet. Die Familie von Tayyip Karaca hat den ganzen Tag über gefastet. Nichts gegessen, nichts getrunken seit dem sehr frühen Frühstück. Jetzt sitzen die beiden Eltern mit ihren Söhnen und einem befreundeten Ehepaar zusammen im Wohnzimmer. So ist es Brauch: Während des Ramadan trifft man sich gerne abends mit Familie und Freunden zum Fastenbrechen, dem Iftar-Essen.

Ich darf an diesem Abend ebenfalls dabei sein. Hunger habe ich nicht und auch getrunken habe ich heute genug. Schließlich war es ziemlich warm. Unvorstellbar, dass 16 Stunden Verzicht hinter ihnen allen liegt. „Der Körper gewöhnt sich da ganz schnell dran“, versichert mir Osman Altuntas, der tagsüber als Berufsschullehrer arbeitet. Sicherlich körperlich keine allzu anstrengende Arbeit. Ohne Essen und Trinken dennoch eine lange Schicht. Die hat Herr Karaca lange hinter sich: Er ist als ehemaliger Bergmann im Frühruhestand.

Apps erinnern an Gebetszeiten

Ramadan ist kein Wettbewerb und auch keine Quälerei. Stattdessen konzentrieren sie sich im Fastenmonat auf das Wesentliche. Den eigenen Körper und darauf, was dieser wirklich braucht. Klar, das allabendliche Genießen des Essens gehört dazu. Doch noch mehr ist es die Geselligkeit. Vor allem in den Minuten vor dem Fastenbrechen.

Damit das im Ramadan niemand verpasst, erinnern heutzutage Apps und Digitaluhren an die fünf Gebete während des Tages, an den Sonnenaufgang sowie den Sonnenuntergang. Der ist am heutigen Tag um Punkt 21.45 Uhr. Da hält es dann auch niemanden mehr auf dem Stuhl. Der köstliche Duft aus der Küche hat lange genug am eigenen Willen gezerrt. Jetzt ist es Zeit für die Mahlzeit, die traditionell mit einer Dattel beginnt. Es folgen eine Suppe und viele weitere kleine Köstlichkeiten, die Frau Karaca gezaubert hat.

Morgens um vier ein großes Glas Wasser

Blick auf leckere Speisen zum Fastenbrechen
Gefüllte Paprika und Datteln – mit denen beginnt man eigentlich traditionell das Iftar-Essen.

Gegen Mitternacht verabschiede ich mich aus der Runde. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag. Einer, der für Muslime gegen vier Uhr beginnt. Zumindest steht Osman Altuntas dann kurz auf, um ein großes Glas Wasser zu trinken. Dann legt er sich wieder hin bis der Wecker klingelt. Und freut sich auf den Tag, der vor ihm liegt.

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