eSport ist echter Sport. Kein Zweifel, das ist mehr als nur vor dem PC daddeln. Dafür braucht es Kraft, Ausdauer und eine gute Koordinationsgabe. Wer‘s nicht glaubt, sollte sich das mal genau anschauen. Zum Beispiel bei Viktor Polster aus meinem Wahlkreis. Er ist professioneller eSport-Caster (sowas wie ein spielender Kommentator) bei eSPORTS1 und beschäftigt sich mittlerweile hauptberuflich mit eSport.

René Schneider im Stream mit Noserino
Um über Vorurteile gegenüber eSport zu sprechen, habe ich jetzt mit Viktor Polster live im Stream diskutiert.

Was ist eSport?

Rein wirtschaftlich betrachtet sind Computerspiele längst in der ersten Liga angekommen. Millionenbudgets werden für ihre Entwicklung ausgegeben. Das ist mehr als ein kurzweiliger Trend. Veranstalter von eSport-Turnieren füllen Hallen und ziehen Massen von Zuschauern an. Messen wie die Gamescom sind beliebt wie nie. Für die meisten Leute ist eSport nicht mehr als Gezocke oder entspannende Daddelei in der Freizeit. Mit diesem Verständnis machen wir es uns allerdings ziemlich leicht. eSport ist einfach übersetzt elektronischer Sport. Also der sportliche Wettkampf zwischen Menschen, die ein Computerspiel spielen. Dabei spielt man oft sogar in einem Mehrspielermodus. Also gemeinsam mit einer Gruppe von Menschen gegen ein anderes Team. So wie im Fußball oder Handball. Nur eben online. Mittlerweile gibt es richtige Profis im eSport. Sie kämpfen um Preisgelder, Pokale – 2016 wurden weltweit fast 100 Millionen Dollar Preisgelder verteilt – und ziehen dabei eine Menge Zuschauer in ihren Bann – die Rheinische Post spricht von 160 Millionen Menschen, die sich regelmäßig E-Sport-Turniere anschauen. Jedes Spiel hat dabei seine Profis und seine Fans, die alle Neuigkeiten verfolgen und selbst gerne spielen.

So kann’s gehen: Beruf eSport-Kommentator

Viktor Polster aus meinem Wahlkreis hat als Kommentator seinen Traumberuf gefunden. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Viktor ist eSport-Caster und kommentiert Wettkämpfe des Spiels Overwatch. Angefangen hat er mit Streams auf der Plattform Twitch und seit Beginn des Jahres gehört er zum Moderatorenteam von eSPORTS1, dem ersten deutschen eSport-Fernsehsender. Ich fand das übrigens so spannend, dass ich mal bei Viktor vorbeigeschaut habe – das Video gibt’s hier oder Ihr scrollt noch ein Stückchen weiter runter.

Wieso ist eSport Sport?

Körperliche Bewegung ist ein zentraler Bestandteil der Definition von Sport. Ich übersetze das in „körperliche Anstrengung“ und damit sind wir ganz schnell auch bei eSport. So sagt Ingo Froböse von der deutschen Sporthochschule, dass Spieler, die an der Konsole Wettkämpfe bestreiten, bis zu 300 Bewegungen pro Minute machen. Der Stressfaktor lasse sich dabei mit dem Elfmeterschießen in einem Champions-League-Finale vergleichen und die Herzfrequenz von 140-150 Schlägen pro Minute hätten auch Rallyefahrer. Nicht zu vergessen seien zudem die technischen und taktischen Fähigkeiten der Spieler. Die Sportlandschaft ist vielseitig. Warum also E-Sport und Computerspiele per se verteufeln? Dabei können Computerspiele Koordination, Motorik, strategische Fähigkeiten und vernetztes Denken im Team fördern. PC-Spiele sind nicht nur die immer wieder genannten Ballerspiele und auch nicht von Natur aus schädlich. Natürlich muss immer ein gesundes Mittelmaß gefunden werden. Letztlich sind 10 Stunden Fußball am Tag ebenso wenig förderlich wie 10 Stunden Computerspiele.

Große Chance für Sportvereine

Jetzt haben die klassischen Sportvereine im Land die Chance, das Thema „Computerspiele“ für sich zu nutzen. Sie könnten Abteilungen aufmachen, die sich um die Gamer kümmern. Mit richtigen Trainern, die in Taktik und Raffinesse am PC schulen. Und warum nicht dazu flankierend physisches Training an realen Fitnessgeräten oder „auf‘m Platz“? Denn eine ordentliche Körpermuskulatur zum Beispiel im Rücken wird helfen, dass Gamer körperlich viel länger durchhalten. Bei einzelnen Turnieren ebenso wie in ihrer Karriere als Gamer. Denn eine weitere Sache haben anerkannte Sportler und eSportler gemeinsam: Die meisten Profikarrieren sind spätestens rund um den 30. Geburtstag beendet, weil körperliche Leistungsfähigkeit und Reaktionsvermögen nachlassen. Warum also nicht auch deshalb eSports als echte Sportart anerkennen?

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