Digitalisierung ist wichtig für uns, das wissen viele Firmen. Das Problem ist nur: Wie genau fängt man Digitalisierung an? Gartenbau Grütters aus Sonsbeck macht es vor. Ein halbes Jahrhundert gibt es den Familienbetrieb. Doch statt in Tradition zu verharren, haben Firmenchef Josef Grütters und sein Co-Geschäftsführer Erik Peters die Digitalisierung früh angepackt. Zwischen Spaten und Spalieren wächst zunehmend der Teil der Arbeit, der mit digitalen Hilfsmitteln organisiert und erledigt wird. Das habe ich mir mal vor Ort angeguckt.

Starkes Stück Wirtschaft am Niederrhein

Grütters ist ein Paradebeispiel für eine niederrheinische Traditionsfirma, die mit der Zeit geht. Die Zukunft behält man hier im Auge und geht kreativ mit Problemen wie dem Fachkräftemangel um. Dabei helfen Freude und Begeisterung. Das spürt man, wenn man die Räume am Dassendaler Weg betritt. Freude an der Arbeit, Begeisterung für die Mitarbeiter und den Teamgeist, der dem Chef sehr wichtig ist.

„Wir informieren unser gesamtes Team monatlich über die relevanten Unternehmenskennzahlen und aktuelle Entwicklungen. Auf der jährlichen Betriebsversammlung wird das zurückliegende Jahr beleuchtet. Hier werden auch Ziele und strategische Ausrichtung für das kommende Jahr vorgestellt, diskutiert und festgelegt.“

Entscheidungen treffen die mittlerweile drei Geschäftsführer nicht im Alleingang. Vielmehr wird das Team beteiligt. Der teamorientierte Führungsstil und das moderne Verständnis von Arbeit – flexible Arbeitszeitmodelle bspw. bei Elternzeit, ein Lohn über Tarif oder das Bezahlen der Anfahrtszeiten – zahlen sich aus: 2017 kürte der Verband Grütters zum besten Ausbildungsbetrieb.

Das Team von Gartenbau Grütters um Josef Grütters (rechts im Bild) und Erik Peters (links).
Grütters sind seit 50 Jahren in Sonsbeck. Dabei scheut sich das Team um Josef Grütters (rechts im Bild) und Erik Peters (links) nicht davor auch mal neue Wege zu gehen.

Wie man die Digitalisierung angeht

Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen – das beschreibt den Geist von Grütters ziemlich gut. Und auch die Herangehensweise an die Digitalisierung, die nämlich nicht gleich verteufelt wurde. Verteilt auf zwei Standorte, lag die Überlegung nah, Prozesse zu vereinfachen. Bereits vor einiger Zeit begann man deshalb damit die Abläufe im Betrieb sichtbar zu machen. Heißt: Was lange Zeit einfach so getan wurde, hat man sich nun bewusst gemacht und aufgeschrieben. Anschließend überlegte das Team, welche Schritte man digitalisieren und damit vereinfachen kann.

Zum Beispiel die Tagesdisposition. Alle Termine werden nun digital durchgetaktet und transparent allen Mitarbeitern zugänglich gemacht. Sei es über das Diensthandy oder den Bildschirm am Bauhof, der jedem zeigt, wann er wo was und mit wem machen soll. Praktisch, so kann man zum Beispiel besser auf schlechtes Wetter reagieren. Auch das Dokumentenmanagement ist digitalisiert. Von den Plänen bis zu den Verträgen sind nun alle Unterlagen an einem zentralen Ort und innerhalb von Sekunden abrufbar. Ebenfalls eine enorme Erleichterung für den – mittlerweile wesentlich papierärmeren – Arbeitsalltag. In diese Kategorie fällt auch die digitale Lieferantenkarte. Das müsst Ihr Euch wie ein Google-Maps für den Betrieb vorstellen. Lauter rote Pins markieren, wo die Bautrupps Materialnachschub bekommen. Klar, dass damit immer die günstigste Route gewählt werden kann. Das spart Zeit und Geld.

Digitalisierung fängt beim Chef an!

Richtig, Digitalisierung verändert unser Leben. Deshalb brauchen wir Vorreiter wie Grütters, die engagiert und mutig einfach mal ausprobieren. Denn die meisten Unternehmen zögern bei der Digitalisierung, weil sie Angst haben, in die falsche Technik zu investieren. Von Grütters lernt deshalb gleich eine ganze Branche, wie mir ein Verbandsvertreter stolz berichtete. Entscheidend ist letztlich jeder Einzelne: Denn die Digitalisierung geht nicht wieder weg. Wir müssen sie deshalb annehmen und für uns gestalten. Entscheidend ist, was man draus macht.


Digitalisierung verändert unsere Welt.

Digitalisierung, Globalisierung oder neue Arbeit – all diese Begriffe beschreiben Megatrends, also globale Entwicklungen, die die Welt nachhaltig verändern und uns im privaten Raum, aber unter anderem auch die Politik oder die Wirtschaft beschäftigen. Wo man früher einen Menschen fragte, wird sich nun vertrauensvoll an Alexa oder Siri gewandt. Wo man früher selten über das eigene Heimatland hinaus dachte, ist man nun global vernetzt. Und wo man früher kaufte, wird heute geshared, also geteilt. Die großen Entwicklungen beginnen jedoch im Kleinen. Auch bei uns am Niederrhein. Besonders der Blick auf unsere Wirtschaft und das Thema Arbeit lohnt, denn die niederrheinische Wirtschaft ist vielfältig und setzt sich mit Entwicklungen wie diesen nicht erst seit gestern auseinander. Trends wie Digitalisierung betreffen nicht nur die großen Unternehmen sondern vor allem auch kleine und mittelständische Firmen. Die neue Technik verändert Berufe, Unternehmen und Abläufe – was wird besser, was schlechter und wo ist politisch Hilfe nötig? Das will ich herausfinden. In loser Folge besuche ich deshalb Unternehmen am Niederrhein, die von ihrem Berufsalltag berichten und zeigen, wie sie die Digitalisierung angehen.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.