Eine Abgrabungskonferenz, das sagen CDU und FDP im Land, wird in Sachen Kiesabbau am Niederrhein alle Beteiligten glücklich machen. Man muss nur miteinander reden und am Ende finden Städte, Bürgerinitiativen und Kies-Unternehmen gemeinsam neue Flächen, die man ruhig ausbaggern kann.

Wer’s glaubt, wird selig: 300 Hektar mehr als bisher muss nach Willen der schwarz-gelben Landesregierung unter den Bagger. Statt diesen Mehrheitsbeschluss aus dem Landtag hinzunehmen und nun eilfertig in Abgrabungskonferenzen Flächen zu suchen, müssen die gesetzlichen Vorgaben verändert werden.

Statt Abgrabungskonferenz: Klage abwarten!

Die größte Hoffnung, dies zu erreichen, ruht derzeit in einer Klage gegen den Landesentwicklungsplan (LEP). Er gibt vor, wieviel am Niederrhein gebaggert werden muss. Kamp-Lintfort, Alpen, Rheinberg und Neukirchen-Vluyn werden gemeinsam mit dem Kreis Wesel gegen das Land klagen. Kippt ein Gericht die Art, den Bedarf zu ermitteln, muss der LEP neue Vorgaben machen. Warum also jetzt schon in einer Abgrabungskonferenz über neue Flächen diskutieren?

Im Gegenteil hat der Regionalverband Ruhr (RVR) deutlich gemacht, dass er vermutlich bis 2023 braucht, um einen Regionalplan für den Niederrhein zu verabschieden. Warum also jetzt über einzelne Flächen diskutieren? Der Landesgesetzgeber hat stattdessen Zeit, seine Bedarfsermittlung zu überdenken. Wie eine zielgerechte Ermittlung aussehen könnte, darüber werden interessierte Niederrheiner und Fachleute aus dem Bereich Wasserwirtschaft, Umweltschutz und Baugewerbe jetzt diskutieren.

Auskiesung am Rossenrayer Feld in Kamp-Lintfort
Ein Zaun um die Auskiesung im Rossenrayer Feld hält Radfahrer und Wanderer auf Abstand.

Bürger- statt Abgrabungskonferenz

Mit einer eigenen „Bürger Konferenz Kies“ wird das Bündnis Niederrhein-Appell gemeinsam mit der Stadt Kamp-Lintfort eben nicht über das WO diskutieren. Wir wollen stattdessen deutlich machen, dass in den kommenden 25 Jahren viel zu viel Kies und Sand gebaggert werden sollen. Denn der Bedarf an dem Baustoff wird vom Land falsch berechnet. Statt den Ausstieg aus der Förderung einer endlichen Ressource zu gestalten, orientiert sich der gesetzliche Bedarf an dem, was gefördert wird. Donald Trumps Mauer zu Mexiko, Wolkenkratzer in der Wüste, Bauprojekte in den benachbarten Niederlanden: Auch dafür werden bei uns am Niederrhein Sand und Kies abgebaut.

Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Denn es passiert auf dem Rücken der Landwirte, die dauerhaft Flächen für Ackerbau und Viehzucht verlieren. Es passiert auf dem Rücken von Häuslebauern und Industrieunternehmen, die nicht auf Wasser bauen können. Und es passiert letztlich auf dem Rücken aller Menschen am Niederrhein, die Hektar um Hektar unberührter Natur verlieren. Natur, in der man Fahrradfahren und Spazieren gehen kann. Eine Landschaft, die unsere Heimat ist. Sie ist so wertvoll, dass sich der Kampf darum lohnt. Nicht in einer Abgrabungskonferenz, die jetzt schon den Niederrhein verloren gibt, sondern in der gemeinsamen Anstrengung gegen einen Abbau von Sand und Kies, der keine Grenzen kennt.

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